Gicht als Erkrankung

Gicht ist eine in akuten Schüben oder auch chronisch verlaufende Erkrankung, die in erster Linie die Gelenke befällt, bei längerem Verlauf aber auch Haut und Nieren betreffen kann. Sie ist Folge eines erhöhten Harnsäurespiegels.

Harnsäure ist das Abbauprodukt des Purins, das vor allem in Fleisch und Innereien in größeren Mengen vorhanden ist.

Ab einer bestimmten Konzentration von Harnsäure wird diese in Form von Harnsäurekristallen in den Gelenken oder in der Haut abgelagert.

Bei zwei Drittel der Erkrankten beginnt die Gicht im Grundgelenk der großen Zehe (Podagra).

1. Krankheitsbild der Gicht

Die Ursachen erhöhter Harnsäurewerte sind vom jeweiligen Krankheitsbild der Hyperurikämie abhängig. Bei einer primären Hyperurikämie handelt es sich um angeborene Stoffwechselerkrankungen. Sekundäre Formen können als Folge anderer Krankheiten auftreten.

1.1 Primäre Gicht (Hyperurikämie)

Sie ist die häufigere Form und beruht in den allermeisten Fällen auf einer angeborenen Verminderung der Harnsäureausscheidungsfähigkeit der Niere.

Ein Gichtanfall wird bei diesen Patienten durch Diätfehler oder schwere Erkrankungen ausgelöst.

Zu den Diätfehlern zählen:

  • Purinreiche Nahrung (vor allem Fleisch und Innereien)
  • Alkoholkonsum
  • Strenges Fasten

Auslösende Faktoren sind:

  • Störung der Harnsäureausscheidung (in 99 % der Fälle)
  • vermehrte körpereigene Harnsäurebildung aufgrund von Enzymdefekten (bei 1%)

1.2 Sekundäre Gicht (Hyperurikämie)

Bei dieser selteneren Form wird als Folge anderer Erkrankungen entweder mehr Harnsäure produziert, als die Niere ausscheiden kann, oder es besteht eine z.B. medikamentös erworbene Ausscheidungsstörung der Niere.

Beispiele dafür sind verschiedene Arten von Blutkrebs, chronische Nierenerkrankungen oder Medikamente wie wassertreibende Mittel und Mittel zur Krebsbekämpfung.

Auslösende Faktoren sind:

  • vermehrter Harnsäureanfall durch erhöhten Zellaufbau und -abbau (z.B. bei Blutkrankheiten)
  • verminderte Harnsäureausscheidung (z.B. bei Nierenschäden)
  • vermehrte Harnsäurebildung bei gleichzeitig verminderter Harnsäureausscheidung (z.B. bei Glykogenspeicherkrankheit Typ I)

2. Folgeschäden

Im Stadium der chronischen Gicht kann es zu einer Vielzahl an Folgeerkrankungen kommen. Charakteristisch ist das Auftreten von so genannten Gichtknoten (Tophi), die Knochen und innere Organe betreffen können. Weiterhin kann es zur Ausbildung einer Gichtniere (Uratnephropathie) und von Nierensteinen (Nephrolithiasis) kommen.

3. Anzeichen einer Gicht

Bevor die Gicht ausbricht, steigt über mehrere Jahre zuvor die Harnsäurekonzentration im Blut an. Die Wahrscheinlichkeit einen Gichtanfall zu erleiden, wird mit steigenden Werten größer.

  • Der erste Gichtanfall kommt oft in der Nacht. Typischerweise wacht man mit extremen Schmerzen im großen Zeh auf (Podagra). Das Gelenk schwillt an, es wird rot und schmerzt unerträglich. Die Schmerzen beginnen also meist nachts oder frühmorgens. Das normale Gehen wird erschwert. Es können aber auch andere Gelenke wie Schulter (Omagra), Handgelenk (Chiragra) und Knie (Gonagra) betroffen sein.
  • Jede plötzlich auftretende Entzündung eines einzelnen Gelenks ist verdächtig auf Gicht.
  • Bei jahrelang unbehandelter Gicht kommt es auch zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen in der Haut. Solche Knötchen (Tophi) sitzen oft über Gelenken oder am Ohrknorpel.

4. Diagnose einer Gichterkrankung

Die Diagnose wird durch das typische Krankheitsbild und die Krankheitsgeschichte (Anamnese) gestellt. Der Arzt wird aber auch eine Blutuntersuchung durchführen, um die Höhe des Harnsäurespiegels zu bestimmen sowie um andere Erkrankungen auszuschließen.

Man kann auch eine Röntgenuntersuchung oder eine Untersuchung der Gelenkflüssigkeit einleiten. Hier sieht man dann eventuell vorhandene Kristalle oder eine Schädigung des Gelenks.

5. Behandlung einer Gicht

Bei Verdacht auf einen Gichtanfall ist unbedingt ein Arzt aufzusuchen!

  • Während des akuten Anfalls ist es wichtig, die Entzündung zu unterbrechen und den Schmerz zu lindern. Das Mittel der Wahl ist Colchicum-Dispert®.
  • Zur Vorbeugung weiterer Anfälle empfehlen sich folgende Maßnahmen:
  1. Vermeidung auslösender Faktoren (Alkohol, Innereien, Fasten, siehe oben). Eine langsame Reduktion eines erhöhten Körpergewichts ist aber aus vielen anderen Gründen wichtig und sinnvoll (zwei bis max. drei Kilogramm pro Monat!).
  2. Sollte es trotz dieser Maßnahmen zu neuerlichen Anfällen kommen, ist es notwendig, den Harnsäurespiegel zu senken. Hier gibt es nach neueren Erkenntnissen ein Sauerkirschsaft-Konzentrat aus der Montmorency Sauerkirsche (CherryPlus). Unterstützend kann dazu Colchicum-Dispert® in einer Dosis von täglich ein bis zwei Tabletten gegeben werden. Das Montmorency Sauerkirschsaft Konzentrat kann auch mit Allopurinol kombiniert werden. Dabei könnte man in einer Dosis von < 200 mg/die mit Allopurinol bleiben, um Nebenwirkungen des chemischen Mittels zu minimieren.
  3. Bei stark erhöhter Harnsäure ist eine Medikamentengabe oft von vornherein notwendig und muss möglicherweise lebenslange fortgesetzt werden. Als Medikament kommt vor allen Dingen Allopurinol in Frage, bei Unverträglichkeit gibt es auch Ersatzpräparate.

6. Tipps

  • Verringern Sie Ihren Alkoholkonsum.
  • Essen Sie keine Lebensmittel, von denen Sie wissen, dass Sie einen Anfall auslösen können (Innereien!).
  • Achten Sie auf Ihr Gewicht.
  • Trinken Sie reichlich. Durch erhöhte Harnsäurespiegel können sich Nierensteine bilden. Vorbeugend sollten Sie täglich möglichst zwei bis drei Liter Flüssigkeit trinken.

7. Prognose

  • In der Regel ist die Prognose der Gicht gut. Voraussetzung ist die richtige und frühzeitige Diagnose, eine unverzüglich eingeleitete und konsequent durchgeführte Therapie, die auch die Prophylaxe einschließt.
  • Durch eine konsequente Behandlung können jedoch Schwere und Häufigkeit von Anfällen stark reduziert und Dauerschäden vermieden werden.
  • Unbehandelt neigt die Gicht in vielen Fällen zu einem chronisch wiederkehrenden Verlauf mit schmerzhaften Anfällen sowie in weiterer Folge mit schweren Schäden an Gelenken, Haut und Nieren.

 

Author: Herr. Dr. Schwarzl

 

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