Gichtanfall, Gicht, Gichtknoten

Gichtanfall Symptome

Gicht ist eine der häufigsten Zivilisations- und  Wohlstandskrankheiten. Zu viel gutes Essen und Alkohol können zu einer Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut und einer erhöhten Nierenbelastung führen, wodurch sich auf lange Sicht sog. Harnsäurekristalle in den Gelenken ablagern, was zu massiven Schmerzen Im Gichtanfall kommt es zu ganz akuten Schmerzen und Entzündungen in den Gelenken. In aller Regel ist vor allem das Grundgelenk an der Grundzehe betroffen. Schäden und auch Verformungen der betroffenen Gelenke sind auf Dauer bei jahrelangem Krankheitsverlauf die Folge. Damit die Gicht, deren Veranlagung auch erblich sein kann, nicht chronisch wird, muss rechtzeitig und konsequent behandelt und eine Ernährungsumstellung durchgeführt werden. Männer sind zehn bis zwanzig Mal häufiger betroffen als Frauen. Vielfach tritt die Gicht in Kombination mit weiteren Symptomen auf, die mit unserem Wohlstandsleben zusammenhängen, wie Übergewicht, eine leicht diabetische Stoffwechsellage, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.

Etwa 20 % der Männer und 3 % der Frauen haben einen zu hohen Harnsäurespiegel. Ungefähr 5 % erkranken jährlich neu. Männer können schon ab dem 35. Lebensjahr betroffen sein, Frauen erst zwischen 50 und 60 Jahren. Frauen haben bis zu den Wechseljahren einen Schutz durch Östrogene, die die Harnsäureausscheidung positiv beeinflussen.

1. Ursachen der Gicht

  • Die Vererbung spielt als Ursache eine große Rolle. Zum Ausbruch kommt die Erkrankung jedoch erst durch eine zu purinreicher Kost.
  • Zu viel Harnsäure wird durch falsche Ernährung im Körper gebildet, die in ausreichendem Maße nicht mehr über die Nieren ausgeschieden werden kann. Harnsäure entsteht übrigens auch als Abbauprodukt des Zellstoffwechsels beim gesunden Menschen und wird zu zwei Dritteln über die Nieren und zu einem Drittel über den Darm ausgeschieden.
  • Der Gesamtgehalt an Harnsäuren beträgt im menschlichen Körper ca. 1 g. Beim Gichtkranken kann er auf 30 g und mehr ansteigen. Täglich werden beim Gesunden durch den körpereigenen Zellabbau und die nahrungsbedingte Purin-Verwertung etwa 350 mg Harnsäure produziert und ausgeschieden. Beim Gichtkranken ist die produzierte Harnsäuremenge dagegen viel größer und außerdem ist die Ausscheidung über die Nieren in 99 % der Fälle eingeschränkt.
  • Nahrungsmittel wie Bier, Schweinefleisch, Geflügel, Innereien, einige Fischsorten und auch manche Gemüsearten werden bei der Verdauung im Rahmen von Stoffwechselprozessen zu Harnsäure abgebaut. Die Harnsäurekonzentration im Blut steigt entsprechend an. Erreicht der Harnsäurespiegel im Blut Werte über 6,4 mg/dl Blut (bzw. 380 μmol/l), so ist die Löslichkeitsgrenze für Harnsäure im Blut erreicht. Sie wird nicht mehr im Blut transportiert. Harnsäurekristalle fallen aus und lagern sich in verschiedenen Geweben wie Gelenkknorpel, Gelenkhaut, Sehnenscheiden, Schleimbeuteln, Ohrknorpel und auch Nierengewebe ab. Häufig entstehen auch Nierensteine.
  • Harnsäurekristalle die sich in einem Gelenk ablagern, lösen einen schmerzhaften Entzündungsprozess aus, der sich als Gichtanfall äußert. Im Laufe der Zeit entwickeln sich auch schmerzhafte Knötchen (sog. Tophi), die als kirschkern- bis pflaumengroße Knoten an den Gelenken sichtbar werden.
  • Bei der chronischen Gicht entwickeln sich knöcherne Gelenkdeformierungen mit Einschränkung der normalen Gelenkfunktion.
  • Von allen Gelenken ist besonders das Großzehengrundgelenk betroffen. Bei Frauen können sich auch zu erst die Fingergelenke bemerkbar machen. Später treten bei der chronisch werdenden Gicht auch Sprunggelenk, Ellbogen und Handgelenk hinzu, selten sind es Knie und die übrigen Gelenke. Bei jeder Entzündung an einem Gelenk muss also auch differentialdiagnostisch an einen Gichtanfall gedacht werden.
  • Befindet sich im Körper ein Tumor, der durch Medikamente oder Bestrahlung zerstört wird, so steigt die Harnsäure als Abbauprodukt der zerfallenden Gewebezellen ebenfalls an. Ein Gichtanfall ist in diesen Fällen durchaus möglich.

2. Symptomatik der Gicht

  • Scheinbar aus heiterem Himmel kommt es plötzlich (oft nachts) zu massivsten Schmerzen an einem Gelenk, meist ist der Großzeh betroffen. Das Gelenk ist gerötet, überwärmt, teigig geschwollen und sehr berührungsempfindlich. Viele können selbst die Bettdecke nicht tolerieren.
  • Selten kann auch das Daumengrundgelenk als erstes symptomatisch werden. Immer handelt es sich jedoch nur um ein Gelenk, das entzündet und schmerzhaft ist.
  • Im Anfall kommen allgemeine Entzündungszeichen wie Abgeschlagenheit, Fieber, eine erhöhte Blutsenkung und auch eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen hinzu.
  • Auslöser ist oft ein üppiges Essen oder vermehrter Alkoholkonsum.
  • Bei der Gicht kann man vier Stadien unterscheiden:
  1. Phase: erhöhter Harnsäurewerte ohne Symptomatik ( viel häufiger als die manifeste Gicht).
  2. Phase: Akuter Gichtanfall.
  3. Phase: Symptomfreies Intervall zwischen zwei Gichtanfällen.
  4. Phase: Chronische Gicht mit Tophusbildung und fortschreitenden bleibenden Gelenkveränderungen. Die chronische Gicht mit ausgeprägten Spätveränderungen wird heute allerdings nur noch selten bei Patienten ohne konsequente Therapie gesehen.

3. Therapiemöglichkeiten

  • Beim akuten Gichtanfall sollte man nicht unnötig Zeit verstreichen lassen, sondern rechtzeitig zum Arzt gehen. Er wird als Mittel der Wahl ein pflanzliches Mittel aus der Herzzeitlosen (Colchizin als Wirkstoff) verabreichen. Der Anfall kommt so innerhalb von 48 Stunden differenzialtherapeutisch zum Abklingen.
  • Das betroffene Gelenk muss gekühlt werden und nach Möglichkeit ist Bettruhe einzuhalten. In jedem Fall muss das Gelenk geschont und hochgelagert werden.
  • Bereits im Anfall muss mit einer an Purinen armen Diät begonnen werden. Auch für Alkohol besteht in dieser Zeit ein absolutes Tabu.
  • Nach Abklingen des akuten Anfalls sind Maßnahmen erforderlich, die die Harnsäurebildung im Körper bremsen. Das Wichtigste ist jedoch eine Änderung der Lebensweise. Hierzu gehören eine ganz bewusste und strenge Nahrungsumstellung, eine kalorienbewusste Ernährung und ein Abbau des vorhandenen Übergewichts. Vor drastischen Fastenkuren sei jedoch gewarnt, weil hier sog. Ketonkörper freigesetzt werden, die die Harnsäureausscheidung weiter hemmen.

4. Ernährungshinweise bei Gicht oder Gichtanfall

  • In Maßen sollten purinarme oder -freie Lebensmittel wie Milch, Dickmilch, Joghurt, Käse, Butter, Eier, Tomaten, Paprika, Obst, Kartoffeln oder Reis auf dem Speiseplan stehen.
  • Zu vermeiden sind nach Möglichkeit Nahrungsmittel mit hohem Puringehalt wie z. B. Schweinefleisch, Innereien (auch die Leberwurst), Geflügel, Kalbsbries, Sprotten, Ölsardinen, Makrelen, Scholle und Vieles mehr.
  • Mit Geflügel- und Fischgerichten kann die Purinaufnahme deutlich gesenkt werden, wenn die Haut entfernt wird.
  • Konzentrierter Sauerkirschensaft aus der Montmonrency-Kirsche hilft den Harnsäurewert im Blut zu senken.
  • Pflanzliche Lebensmittel sind in Bezug auf ihren Puringehalt unterschiedlich. Sojabohnen und Sonnenblumenkerne sind für Gichtkranke nicht geeignet. Erbsen, weiße Bohnen, Spinat, Schwarzwurzeln, Spargel und Rosenkohl sind bei einem erhöhten Harnsäurespiegel zu meiden.
  • Alkoholgenuss ist für Gefährdete schädlich, da er die Harnsäure-Ausscheidung vermindert. Dies gilt insbesondere für Bier durch die Bierhefe (Guanidin). Auch alkoholfreies Bier und Light-Biere haben einen ungefähr gleich hohen Puringehalt wie Vollbiere.
  • Zu verzichten ist gleichfalls auf Softdrinks, da sie Fruchtzucker in größeren Mengen enthalten, der gleichfalls die Harnsäure im Blut vermehrt.
  • Durch eine gezielte Diät lässt sich ein erhöhter Harnsäurespiegel merklich senken. Besteht jedoch eine manifeste Gicht mit Anfallsattacken, so ist auf eine zusätzliche medikamentöse Behandlung meist nicht zu verzichten.

 

Author: Herr. Dr. Schwarzl

 

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