Kirschen und Gicht

In der chinesischen Medizin gibt es fünf verschiedene Elemente-Familien (Holz, Feuer, Erde Metall, Wasser), aus denen unsere Welt aufgebaut ist. Diese Zusammenkunft bezeichnen die Chinesen als Universum.Die Natur, die Tiere und Pflanzen kann man ebenfalls in diese Elemente einteilen. Auch der Mensch besteht als Teil dieses Universums aus diesen Elementen; er ist somit auch ein kleines Universum innerhalb des Großen.

Jedes Organ, jedes Körperteil kann einem dieser Elemente zugeordnet werden und hat eine bestimmte Eigenschaft und eine bestimmte Funktion. Über Jahrtausende haben die Chinesen diese Philosophie zu ihrer Medizin gemacht und viele Pflanzen, Früchte etc. danach eingeteilt und sowohl in ihren täglichen Speiseplan als auch zu reinen Therapiezwecken für bestimmte Krankheitsbilder aufgenommen. Dabei gibt es nach Ansicht der Chinesen immer zwei Richtungen, mit denen man dem Körper helfen kann: Durch „innere Methoden“ wie Akupunktur, Meditation und durch „äußere Methoden“ wie Kräuter oder Nahrungsmittel. Optimal ist eine sich ergänzende Behandlung auf beiden Ebenen mit einem Schwerpunkt auf dem mehr gebrauchten.

Die Kirsche gehört zur Familie des Wasserelementes. Nach der Philosophie der Aktualisierten Traditionellen Chinesischen Medizin (ATCM) hat die Kirsche durchblutungsfördernde Eigenschaften innerhalb des Wasserelementes. Das dem Wasserelement zugeordnete zentrale innere Organ ist die Niere, die zu einem Großteil zur Ausscheidung von Säuren aus dem menschlichen Körper beiträgt. Je besser ein Organ durchblutet ist, umso besser und effektiver kann es arbeiten, weil durch die gute Durchblutung ein optimaler Stoffwechsel möglich ist. Sind die Nieren besser durchblutet, können sie mehr Blut filtern und Stoffwechselendprodukte wie die Harnsäure über den Urin ausscheiden. Hat die Niere zu wenig Kraft oder stimmt die Durchblutung nicht, werden bestimmte Substanzen nicht oder nur geringer aus dem Blut gefiltert und lagern sich ab einer gewissen Konzentration im Gewebe ab.

Indirekt beeinflusst die Niere aber auch die Leber, denn sie ist ihr in dem Funktionskreis der chin. Medizin vorgeschaltet und gibt einen Teil ihrer Energie an die Leber ab. Die Leber wiederum ist für den Proteinstoffwechsel zuständig und wandelt Purine, die Grundbausteine der Nucleinsäuren (Bestandteil z. B. der Zellkerne) in Harnsäure um, die über die Niere ausgeschieden wird.

Somit ist es wichtig, dass sowohl Niere als auch Leber einen guten Stoffwechsel haben, um Harnsäure zu bilden und sie dann auszuscheiden. Durch die Erhöhung der Funktion der Niere im Sinne der Durchblutung hat die Montmorency-Kirsche optimale Voraussetzungen, unterstützend für diesen Zweck eingesetzt zu werden.

Die Kirsche wirkt also auf den funktionalen Teil der Nieren, nicht auf den zellulären Teil und stärkt die Yin-Seite der Niere und indirekt die Yang-Seite der Leber.

Wichtig hierbei ist zu erwähnen, dass eine besonders ausgeglichene Therapie entsteht, wenn man die ganze Frucht der Kirsche zur Therapie nutzt. Die Natur hat der Kirsche eine besondere Funktion, bestimmte Inhaltsstoffe in einem bestimmten, aber vor allem ausgewogenen Verhältnis gegeben und sie somit „perfekt“ für ihren Platz im Ökosystem gemacht. Um die volle Kraft dieser Funktion nutzen zu können, sollte die Kirsche mit möglichst all ihren Bestandteilen zum Einsatz kommen. In der chinesischen Philosophie spielt Harmonie eine große Rolle. Alles, was einen stabilen Platz in der Natur hat, was wächst und vor allem gesund ist, ist in Harmonie und kann deshalb überleben. Nur einen Stoff aus der Kirsche zu extrahieren von dem man weiß, dass er eine bestimmte Wirkung auf den menschlichen Körper hat, wäre ein Eingriff in die Harmonie, in die Komposition der Frucht. Die Kirsche sollte also mit der gleichen Harmonie im Körper wirken können, wie sie es auch in der Natur kann. So kann man nebenbei sicherstellen, dass auch die Stoffe im Körper wirken können, deren Wirkweise oder deren Existenz man noch nicht kennt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Reifung und Ernte der Früchte. Um die Wirkung möglichst ausschöpfen zu können, ist es wichtig, dass die Pflanzen unter optimalen Bedingungen wachsen, reifen und geerntet werden. Viele der sekundären Pflanzenstoffe, die die eigentliche Wirkung im Körper haben, bilden sich erst im letzten Drittel der Reifung aus. Somit müssen die Früchte bis zur ihrer vollen Reife an ihrem Standort an den Pflanzen bleiben und aufgrund des hohen Reifegrades auch in der Regel vor Ort verarbeitet werden. So können die Faktoren des Standortes in Verbindung mit den Vorzügen der sekundären Pflanzenstoffe bestens ausgenutzt werden, was sich auch im fertigen Produkt widerspiegelt.

Die sekundären Pflanzenstoffe der Montmorency-Kirsche haben einen besonders hohen antioxidativen, sprich entzündungshemmenden Wert, der nach Ansicht der ATCM in Zusammenhang mit einer funktionssteigernden Wirkung der Stoffwechsel- und Ausscheidungsorgane Leber und Nieren gebracht werden kann. Die Erforschung über die Wirkung der sekundären Pflanzenstoffe auf den menschlichen Körper steht noch ganz am Anfang. Die vorliegenden Ergebnisse bescheinigen der Montmorency-Sauerkirsche aber eine außergewöhnlich entzündungshemmende Eigenschaft, was sich mit der Jahrtausende alten Erfahrung der chinesischen Phytotherapie und Diätetik deckt.

 

Autor: Heilpraktiker Tobias Duven

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