Ein Haufen Kirschen

© margouillat photo / Shutterstock

Um die medikamentöse Behandlung der Gicht zur Senkung des Harnsäurespiegels zu unterstützen, stehen uns neben der purinarmen Ernährung auch bestimmte pflanzliche Präparate zur Verfügung. Deren Potential erreicht zwar nicht die Wirkung von „echten Medikamenten“, dafür haben viele pflanzliche Präparate einen großen Vorteil: weniger bis gar keine Nebenwirkungen.

Sauerkirschen bei Gicht – Harnsäure natürlich senken

In den letzten Jahren haben sich Sauerkirschen als eine potente Möglichkeit zur Prävention und Therapie von Gicht erwiesen. Obwohl sie als Obst auf Grund der enthaltenen Fructose zunächst nicht unbedingt vorteilhaft für die Ernährung bei Gicht zu sein scheinen (siehe auch Ernährung bei Gicht), werden Sauerkirschen zunehmend als unterstützende, nicht-medikamentöse Maßnahme in der Gicht-Therapie, sowie bei Hyperurikämie genutzt.

In der traditionellen Pflanzen- und Erfahrungsheilkunde werden Sauerkirschen seit langem als Mittel bei Gicht empfohlen. In Regionen mit großflächigem Anbau von Sauerkirschen ging regelmäßig zur Erntezeit die Zahl der Gichtpatienten in den Arztpraxen deutlich zurück.

 

Kirschsaftkonzentrat mit frischen Sauerkirschen

© Avesun / Shutterstock

Studien zur unterstützenden Wirkung der Sauerkirsche

Mittlerweile konnten verschiedene Studien den positiven Einfluss der Sauerkirsche auf den Harnsäurespiegel und das Risiko eines Gichtanfalls wissenschaftlich untermauern.

Wissenschaftler der Universität Boston führten zwischen 2003 und 2010 eine groß angelegte Studie mit über 630 Gichtpatienten durch. Die Probanden waren durchschnittlich 54 Jahre alt und nahmen jeweils für einen Zeitraum von einem Jahr an der Studie teil. Untersucht wurde der Einfluss von frischen Sauerkirschen, eines Sauerkirsch-Extrakts und der Kombination von Sauerkirschen mit Allopurinol (siehe auch Medikamente) auf die Häufigkeit von Gichtanfällen.

Gemessen an der Gesamtzahl von Gichtanfällen reduzierte der Verzehr frischer Sauerkirschen das Risiko um 35%, während der Sauerkirsch-Extrakt sogar einen Rückgang um 45% erzielte. Die besten Ergebnisse erzielte die gemeinsame Gabe von Sauerkirschen mit Allopurinol. Das kombinierte Potential sorgte dafür, dass die Zahl der Gichtanfälle um 75% reduziert werden konnte. Allein diese Ergebnisse veranlasste die Versuchsleiter bereits dazu, Sauerkirschen als mögliche Ergänzung einer Gichttherapie zu empfehlen (2).

Montmorency Sauerkirsche Set

Anzeige

Eine andere Studie des US-Landwirtschaftsministerium konnte außerdem zeigen, dass Sauerkirschen in der Lage sind, die Harnsäure-Konzentration im Blut um 15% zu senken und die Ausscheidung von Harnsäure um 75% zu erhöhen (1). Darüber hinaus konnten Entzündungsmarker reduziert werden. Dieser positive Einfluss auf den Harnsäure-Spiegel ist wahrscheinlich auch der Grund für den Rückgang der Gichtanfälle in der ersten Studie.

Zusätzlich zu den beiden genannten Studien gibt es noch eine Reihe von Untersuchungen, die Sauerkirschen ein ausgeprägtes entzündungshemmendes und antioxidatives Potential nachsagen (3,4,5). Der Grund dafür sind wahrscheinlich die sog. Anthozyane, rot-violette Farbstoffe, die in Sauerkirschen in großen Mengen enthalten sind. So soll tatsächlich auch eine Portion Sauerkirschsaft dem antiinflammatorischen Potential einer üblichen Dosis Acetylsalicylsäure entsprechen (6).

Besonders wirksam in Hinsicht auf Gicht und Hyperurikämie scheint die Sauerkirschsorte Montmorency aus den USA zu sein. Allein in den letzten drei Jahren wurden zusätzlich zu den Studien, welche sich mit Sauerkirschen im Allgemeinen befassten, fünf Studien explizit zum antiinflammatorischen Potential der Montmorency-Sauerkirsche publiziert. Das wissenschaftliche Interesse ist also entsprechend groß.

Montmorency-Sauerkirschen können schonend als Saftkonzentrat oder als Pulver-Extrakt aufbereitet werden und sind so in konzentrierter Form auch lange haltbar, sodass man sie regelmäßig zur Unterstützung einer Gichttherapie zu sich nehmen kann.

Quellen

  1. Jacob, R. A., Spinozzi, G. M., Simon, V. A., Kelley, D. S., Prior, R. L., Hess-Pierce, B., & Kader, A. A. (2003). Consumption of cherries lowers plasma urate in healthy women. The Journal of Nutrition, 133(6), 1826–9. Retrieved from http://jn.nutrition.org/content/133/6/1826.full.pdf+html
  2. Zhang, Y., Neogi, T., Chen, C., Chaisson, C., Hunter, D. J., & Choi, H. K. (2012). Cherry consumption and decreased risk of recurrent gout attacks. Arthritis and Rheumatism, 64(12), 4004–11. https://doi.org/10.1002/art.346
  3. Kelley, D. S., Rasooly, R., Jacob, R. a, Kader, A. a, & Mackey, B. E. (2006). Consumption of Bing sweet cherries lowers circulating concentrations of inflammation markers in healthy men and women. The Journal of Nutrition, 136(4), 981–986. https://doi.org/136/4/981 [pii]
  4. Tall, J. M., Seeram, N. P., Zhao, C., Nair, M. G., Meyer, R. a., & Raja, S. N. (2004). Tart cherry anthocyanins suppress inflammation-induced pain behavior in rat. Behavioural Brain Research, 153(1), 181–188. https://doi.org/10.1016/j.bbr.2003.11.011
  5. Šarić, A., Sobočanec, S., Balog, T., Kušić, B., Šverko, V., Dragović-Uzelac, V., … Marotti, T. (2009). Improved antioxidant and anti-inflammatory potential in mice consuming sour cherry juice (Prunus Cerasus cv. Maraska). Plant Foods for Human Nutrition, 64(4), 231–237. https://doi.org/10.1007/s11130-009-0135-y
  6. Seeram, N. P., Momin, R. A., Nair, M. G., & Bourquin, L. D. (2001). Cyclooxygenase inhibitory and antioxidant cyanidin glycosides in cherries and berries. Phytomedicine, 8(5), 362–369. https://doi.org/10.1078/0944-7113-00053

Wichtiger Hinweis:

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass dies keine Heilversprechen sind und dass die Inhalte dieser Webseite nur allgemeine Hinweise enthalten. Diese dürfen nicht zur Selbstdiagnose oder Behandlung verwendet werden. Sie können einen Arztbesuch, die qualifizierte Beratung, Diagnostik und Therapie durch einen Arzt nicht ersetzen. Bitte beachten Sie, dass wir in all unseren Texten keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben. Die Resultate können von Person zu Person variieren.