Was ist Harnsäure und wie entsteht sie?

Harnsäure ist das Endprodukt beim Abbau von Purinen. Zusammen mit Pyrimidinen sind Purine ein Bestandteil der DNS, dem Erbmaterial der Zelle. Wenn Körperzellen abgebaut werden, wird dabei Purin zur Harnsäure umgewandelt, die über die Niere ausgeschieden werden kann.

Wann ist der Harnsäurespiegel zu hoch?

Man kann den Harnsäurespiegel im Blut problemlos vom Arzt bestimmen lassen, dies gehört jedoch nicht zur normalen Blutbilduntersuchung dazu. Ein Wert von 6,5mg Harnsäure auf einen Deziliter Blut (6,5mg/dl) ist bedenkenlos und führt zu keinen Problemen. Bei Werten über 6,5mg/dl kristallisiert die Harnsäure und ab 9mg/dl kommt es zum sogenannten Gichtanfall.

Was sind Symptome von erhöhter Harnsäure im Blut?

Die Kristalle, die sich bei einem Harnsäurespiegel über 6,5mg/dl im Körper absetzen, befallen bevorzugt die kleinen Gelenke der Extremitäten, also Arme und Beine. Dieser Prozess verläuft über Jahre symptomfrei und ohne Schmerzen. Dabei setzen sie sich zuerst nadelförmig in den Zehengelenken, Sprunggelenken und auch Fingergelenken ab. Des Weiteren entstehen Gichtknoten, wulstige Ausstülpungen, hervorgerufen durch abgelagerte Harnsäurekristalle im Bindegewebe. Diese treten in der Nähe befallener Gelenke, sowie oftmals an der Ohrmuschel auf und sind ein Alarmsignal für einen bevorstehenden Ausbruch eines Gichtanfalls.

Was ist Gicht?

Gicht ist eine Stoffwechselkrankheit, bei der die erhöhte Harnsäure im Blut kristallisiert und sich in den Blutgefäßen, Gelenken und Organen festsetzt. Der medizinische Ausdruck ist für den erhöhten Harnsäurespiegel lautet „Hyperurikämie´´ (hyper = zu viel; uri = Abk. für Harnsäure; ämie = aufs Blut bezogen). Die Gicht ist die Manifestation der Hyperurikämie, wenn diese zu Entzündungen und den damit verbundenen Schmerzen führt.

Wie entsteht Gicht?

Wenn die Nieren die anfallende Harnsäure nicht mehr adäquat ausscheiden können, steigt der Harnsäurespiegel im Blut immer weiter an. Sobald der Harnsäurespiegel über 6,5mg/dl liegt, bilden sich die sogenannten Uratkristalle, die sich in Gelenken ablagern. Diese Ablagerungen verlaufen zuerst symptomlos und werden weder von Arzt noch Patient erkannt. Sind in den Gelenken jedoch übermäßig viele Uratkristalle kumuliert und es kommt zu einem Auslöser, wie erhöhtem Alkoholkonsum oder einer Verletzung, zeigt sich die Gicht in einem akuten Gichtanfall.

Was ist ein Gichtanfall?

Bei einem Gichtanfall lösen die abgelagerten Harnsäurekristalle eine Entzündungsreaktion aus, was zu starken Schmerzen im betroffenen Gelenk führt. Meist fängt ein Gichtanfall in der Nacht an und wird zuerst als ein Ziehen im großen Zeh, der oftmals als erstes Gelenk betroffen ist, wahrgenommen. Dieses Ziehen geht innerhalb weniger Stunden über in starke Schmerzen. Das Gewebe um das Gelenk schwillt rötlich an und der Körper reagiert auf die Entzündung mit leichtem Fieber. Warum ein Gichtanfall auftritt ist weitestgehend unbekannt, meistens ist der Auslöser eine Verletzung des Gelenks oder starke Schwankungen im Harnsäurespiegel, beispielsweise ausgelöst durch stark erhöhten Alkoholkonsum.

Wie behandelt man einen akuten Gichtanfall?

Der Arzt erkennt meist schon einen Patienten mit einem Gichtanfall an seinem Gangbild, da der Patient nur sehr erschwert auftreten kann und stark humpelt. Neben den Gangschwierigkeiten hat der Patient zudem Fieber, einen erhöhten Puls und Kopfschmerzen. Nachdem sich bei der Blutuntersuchung die Verdachtsdiagnose bestätigt hat, verschreibt der Arzt Entzündungshemmer, meist NSARs (nicht-steroidale Antirheumatika). Zu dieser Stoffgruppe gehören zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen. Von Acetylsalicylsäure wird hingegen bei Gicht abgeraten, da es die Ausscheidung von Harnsäure in der Niere verringert.

Wie kann man einem Gichtanfall vorbeugen?

Eine strenge Fastenkur, bei der man nur noch flüssige Getränke und Gemüse zu sich nimmt, kann den Harnsäurespiegel drastisch senken. Wenn eine Fasten-/Hungerkur zum Abnehmen genutzt wird, kann es sein, dass kurzzeitig vermehrt Fett- und Muskelzellen reduziert werden und durch den Purinabbau sogar mehr Harnsäure anfällt. Dies kann einem Gicht-Patienten schaden. Langfristig hilfreich ist daher eine purinarme Ernährung, in Form von Obst, Gemüse und Milchprodukten. Diese kann den Harnsäurespiegel im Blut langfristig niedrig halten, sodass es nicht zum Gichtanfall kommt.

Als eine effektive Vorbeugung hat sich der Verzehr von Sauerkirschen, insbesondere von Montmorency-Sauerkirschen, erwiesen. Dank der zahlreichen sekundären Pflanzenstoffe und einem hohen Vitamin-C-Gehalt wird die Harnsäure besser von der Niere ausgeschieden und die Harnsäure-Produktion gehemmt. Das zeigt sich im deutlich verminderten Harnsäurespiegel im Blut, was wiederum die Gelenke deutlich entlastet.

Wer bekommt Gicht?

Aus Studien geht hervor, dass etwa 2,5% der Bevölkerung ein Problem bei der Ausscheidung von Harnsäure über die Niere haben. Grund dafür ist eine genetische Veranlagung, weshalb Gicht gehäuft in manchen Familien vorkommt und in anderen nicht. Weitere Risikofaktoren sind ein starker Alkohol- und Fleischkonsum, sowie Übergewicht. Diese drei Faktoren lassen den Harnsäurespiegel im Blut zusätzlich steigen.

Männer sind von dieser Stoffwechselerkrankung deutlich häufiger betroffen. Das liegt daran, dass das Östrogen der Frau die Niere stimuliert und dadurch die Ausscheidung von Harnsäure erhöht. Nach der Menopause, wenn die Eierstöcke nur noch wenig Östrogen produzieren, sind Frauen jedoch genauso anfällig für Gicht wie Männer.

Welche Folgen hat unbehandelte Gicht?

Neben den starken Schmerzen und damit Funktionsstörungen der Gelenke können dauerhaft erhöhte Harnsäurewerte auch die Organe beeinträchtigen. Denn bei Gicht lagern sich Harnsäurekristalle nicht nur in Gelenken, sondern auch in der Niere ab, was langfristig zur Niereninsuffizienz führen kann. Ist die Niere in ihrer Funktion eingeschränkt, wirkt sich das auf viele Systeme aus. Da die Niere einen erheblichen Einfluss auf den Blutdruck des Herzens hat, wird auch das Herz durch erhöhte Harnsäure langfristig geschädigt.

Durch die Hyperurikämie bilden sich ebenfalls Kristalle im Urin, der durch den Harnleiter von der Niere zur Blase fließt. Sie können abtransportiert werden und im Harnleiter stecken bleiben, was wiederum zu einem Harnstau führen und eine Nierenbeckenentzündung hervorrufen.

Worauf sollte man bei der Ernährung als Gicht- oder Risiko-Patient achten?

Anders als viele Stoffwechselerkrankungen kann man Gicht durch eine angepasset Ernährung beeinflussen. Dabei sollte man darauf achten, besonders viel Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Dieses kann leicht abgebaut werden und stimuliert das Immunsystem und den Stoffwechsel. Milchprodukte und Eier sind auch gute purinarme Eiweißlieferanten, die zusammen mit pflanzlichen Lebensmitteln den Eiweißbedarf vollständig decken können.

Worauf man weitestgehend verzichten sollte, ist Fleisch und Fisch. Beide enthalten deutlich mehr Purin als vegetarische Lebensmittel und erhöhen somit die Harnsäureproduktion. Dabei muss nicht komplett auf den Verzehr verzichtet werden, aber eine Beschränkung auf einmal die Woche jeweils Fisch und Fleisch ist empfehlenswert. Welchen Arten von Fisch und Fleisch man am besten komplett entsagen sollte, sind Innereien, Geflügelhaut und Räucherfisch.

Auch den Alkohol, eines der beliebtesten Genussmittel der Menschen, sollte ein Gichtpatient weitestgehend meiden. Das Ethanol im alkoholhaltigen Getränk hemmt nicht nur die Harnsäureausscheidung in der Niere, sondern sorgt auch für eine verstärkte Produktion. Somit steigt der Harnsäurespiegel deutlich an, kristallisiert und führt schlimmstenfalls zum Gichtanfall.

Warum helfen Sauerkirschen bei Gicht?

Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Kirschen durch ihre antientzündliche Eigenschaft, die Gichtschmerzen nicht nur lindern können, sondern auch partiell verhindern können. Vor allem Sauerkirschen, wie die Montmorency Kirsche, können einerseits die Harnsäureproduktion hemmen und gleichzeitig die Harnsäure-Ausscheidung in der Niere stimulieren, sodass bis zu 75% mehr Harnsäure aus dem Körper ausgeschieden wird. Dadurch sinkt der Harnsäurespiegel im Blut und keine weiteren Kristalle werden gebildet. Dieser Effekt wird jedoch nur bei stark konzentrierten Montmorency-Sauerkirsche-Konzentraten hervorgerufen.

Welche Medikamente senken den Harnsäurespiegel?

Das gängigste Medikament zur Senkung der Harnsäure ist der Wirkstoff Allopurinol. Durch die Hemmung des Enzyms Xanthinoxidase kann der letzte Schritt der Harnsäuresynthese verhindert werden und im Abbau der Purine entsteht stattdessen Hypoxanthin. Das Hypoxanthin kann über die Nieren ausgeschieden werden und bildet keine Kristalle. Dieses Medikament wird von den meisten Menschen gut vertragen, hat jedoch, wie jedes pharmazeutische Mittel, Nebenwirkungen.

Bei Patienten die verstärkt Magendarm-Probleme durch Allopurinol entwickelt haben, wird als Alternative das Medikament Febuxostat eingesetzt, was den gleichen molekularen Mechanismus ausübt. Allerdings steigt bei Verabreichung von Febuxostat das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Kann man vollständig von Gicht geheilt werden?

Was die Gichtknoten betrifft, so können sie sich bei guter Ernährung und gesenktem Harnsäurespiegel wieder vollkommen zurückbilden und bedürfen keiner Operation zur Entfernung. Gelenke, die aufgrund von Entzündungen und Ablagerungen geschädigt wurden, regenerieren hingegen nur langsam und auch nicht vollständig. Deswegen sollte auf eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung, die jedoch die Gelenke schont (bsp. Schwimmen) geachtet werden. Auch eine regelmäßige Ergänzung von natürlichen Sauerkirsche-Konzentraten kann Gicht deutlich minimieren.