Ein erhöhter Harnsäurewert im Blut wird häufig zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt und sorgt bei vielen Betroffenen zunächst für Unsicherheit. Doch was bedeutet es eigentlich, wenn die Harnsäure erhöht ist und muss man sofort handeln?
In diesem Beitrag erfahren Sie, warum die Harnsäure erhöht sein kann, welche Ursachen und möglichen Folgen es gibt und welche Maßnahmen helfen können, den Harnsäurespiegel positiv zu beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Ein erhöhter Harnsäurewert bedeutet, dass sich mehr Harnsäure im Blut befindet, als der Körper ausreichend ausscheiden kann.
- Ursachen können unter anderem eine eingeschränkte Ausscheidung über die Nieren, Ernährung, Alkohol, Übergewicht oder genetische Faktoren sein.
- Eine erhöhte Harnsäure führt nicht automatisch zu Gicht, kann aber das Risiko für Gichtanfälle und Harnsäureablagerungen erhöhen.
- Mit ausreichend Flüssigkeit, einer harnsäurebewussten Ernährung, Bewegung und gegebenenfalls ärztlicher Behandlung lässt sich der Harnsäurespiegel positiv beeinflussen.
Was bedeutet es, wenn die Harnsäure erhöht ist?
Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen, natürlichen Bausteinen, die in jeder Körperzelle vorkommen und zusätzlich über bestimmte Lebensmittel aufgenommen werden. Normalerweise scheidet der Körper sie über die Nieren aus, zu einem kleinen Teil auch über den Darm.
Ist die Harnsäure erhöht, heißt das im Kern: Es befindet sich mehr davon im Blut, als die Nieren ausreichend ausscheiden können. Entweder produziert der Körper zu viel, scheidet er zu wenig aus, oder beides passiert gleichzeitig.
Mediziner sprechen bei einem dauerhaft erhöhten Harnsäurewert von einer Hyperurikämie. Der Begriff beschreibt zunächst nur den Messwert und sagt noch nichts darüber aus, ob bereits Beschwerden bestehen oder jemals welche auftreten werden. Mehr zur Entwicklung einer Hyperurikämie und zur Abgrenzung von Gicht finden Sie in unserem Beitrag Hyperurikämie: Ursachen, Symptome und Behandlung.
Ab wann ist der Harnsäurewert zu hoch?
Die Frage, ab wann ein Harnsäurewert als zu hoch gilt, lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Die Referenzbereiche können sich je nach Labor unterscheiden. Auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin weist in ihrer Leitlinie zur Gicht darauf hin, dass die Bewertung immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen Referenzbereich erfolgen sollte (1).
Als grobe Orientierung gilt: Ab etwa 7 mg/dl Harnsäure im Blut wird der Wert häufig als erhöht eingestuft. Entscheidend ist jedoch nicht nur der einzelne Messwert, sondern das gesamte Bild.
Wichtige Faktoren zur Einordnung eines erhöhten Harnsäurewertes:
| Faktor | Bedeutung |
| Harnsäurewert im Blut | Zeigt die Konzentration der Harnsäure zum Zeitpunkt der Messung. |
| Dauer der Erhöhung | Kurzfristige Schwankungen können normal sein. Erst dauerhaft erhöhte Werte werden als Hyperurikämie bezeichnet. |
| Beschwerden und Begleiterkrankungen | Ob Beschwerden wie Gichtanfälle vorliegen, beeinflusst die weitere Bewertung und mögliche Behandlung. |
Die genauen Normalwerte, geschlechtsspezifische Unterschiede und was ein Harnsäurewert im Bluttest wirklich aussagt, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst: Harnsäurewerte: Normalwerte und Bedeutung.
Warum ist meine Harnsäure erhöht?
Ein erhöhter Harnsäurewert hat selten nur eine einzige Ursache. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen, die beeinflussen, wie viel Harnsäure im Körper entsteht und wie gut sie wieder ausgeschieden wird.
Zu viel Harnsäure durch Ernährung
Purinreiche Lebensmittel wie Innereien, Fleisch, bestimmte Fischarten (z. B. Sardinen, Hering oder Makrele) und Alkohol können den Harnsäurespiegel erhöhen. Der Grund: Beim Abbau von Purinen entsteht Harnsäure als Endprodukt.
Die Ernährung spielt also eine Rolle, ist aber meist nicht allein verantwortlich für dauerhaft erhöhte Harnsäurewerte. Häufig kommen weitere Faktoren wie eine eingeschränkte Ausscheidung oder eine genetische Veranlagung hinzu.
Eingeschränkte Ausscheidung über die Niere
Die häufigste Ursache für einen erhöhten Harnsäurewert ist, dass der Körper zu wenig Harnsäure über die Nieren ausscheidet (2). Die Harnsäureproduktion ist dabei häufig nicht erhöht, vielmehr kann der Körper die vorhandene Harnsäure nicht schnell genug entfernen.
Diese verringerte Ausscheidungsfähigkeit kann genetisch bedingt sein, aber auch durch eine eingeschränkte Nierenfunktion oder andere Einflussfaktoren begünstigt werden.
Weitere Ursachen und Risikofaktoren
Zusätzlich können folgende Faktoren zu erhöhten Harnsäurewerten beitragen:
- Übergewicht: Ein erhöhter Körperfettanteil kann die Harnsäureproduktion fördern und gleichzeitig die Ausscheidung erschweren (3).
- Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Tritt häufig gemeinsam mit erhöhten Harnsäurewerten auf und kann mit Veränderungen im Stoffwechsel zusammenhängen (4).
- Bestimmte Medikamente: Vor allem entwässernde Medikamente (Diuretika) können die Harnsäureausscheidung über die Niere verringern.
- Stoffwechselerkrankungen: Erkrankungen wie das metabolische Syndrom oder Diabetes mellitus können mit erhöhten Harnsäurewerten verbunden sein.
- Genetische Veranlagung: Manche Menschen scheiden Harnsäure von Natur aus weniger effizient aus.
Zusammengefasst entsteht eine Hyperurikämie meist durch ein Ungleichgewicht zwischen Harnsäurebildung und Harnsäureausscheidung. Besonders häufig liegt eine verminderte Ausscheidung über die Niere zugrunde.

Welche Folgen kann eine erhöhte Harnsäure haben?
Nicht jeder erhöhte Harnsäurewert verursacht automatisch Beschwerden. Viele Menschen haben über Jahre eine Hyperurikämie, ohne etwas davon zu bemerken.
Bleibt der Harnsäurespiegel jedoch dauerhaft erhöht, kann sich überschüssige Harnsäure im Körper ablagern. Dabei können feine, nadelförmige Harnsäurekristalle entstehen, die sich bevorzugt in Gelenken und Gewebe festsetzen. Erkennt das Immunsystem diese Kristalle als Fremdkörper, kann eine starke Entzündungsreaktion entstehen – der typische Gichtanfall.
Auch die Nieren können betroffen sein: Lagern sich Harnsäurekristalle in den Harnwegen ab, können sich Nierensteine bilden. Darüber hinaus wird ein Zusammenhang zwischen dauerhaft erhöhten Harnsäurewerten und verschiedenen Begleiterkrankungen, unter anderem im Herz-Kreislauf-Bereich, in der Fachliteratur diskutiert (4).
Führt eine erhöhte Harnsäure automatisch zu Gicht?
Nein. Ein erhöhter Harnsäurewert bedeutet nicht automatisch, dass eine Gicht entsteht. Viele Menschen haben über längere Zeit erhöhte Harnsäurewerte, ohne Beschwerden zu entwickeln. In diesem Fall spricht man von einer asymptomatischen Hyperurikämie.
Zu Gicht kommt es erst, wenn sich überschüssige Harnsäure in Form von Kristallen im Gewebe oder in Gelenken ablagert und dadurch eine Entzündungsreaktion ausgelöst wird. Das Risiko für einen Gichtanfall steigt vor allem, wenn der Harnsäurewert dauerhaft erhöht ist und über längere Zeit bestehen bleibt.
Was genau bei einem Gichtanfall im Körper passiert und welche Symptome typisch sind, erfahren Sie im Beitrag „Was ist Gicht?“

Was tun bei erhöhter Harnsäure?
Ein erhöhter Harnsäurewert lässt sich häufig durch eine Kombination aus Ernährung, Lebensstil und, wenn notwendig, einer medizinischen Behandlung positiv beeinflussen. Ziel ist es, den Harnsäurespiegel langfristig zu senken und das Risiko für Harnsäureablagerungen und Gichtanfälle zu reduzieren.
Ernährung anpassen
Eine harnsäurebewusste Ernährung kann helfen, den Harnsäurewert zu regulieren:
- Purinreiche Lebensmittel reduzieren: Innereien vermeiden sowie rotes Fleisch und bestimmte Fischsorten nur in Maßen essen
- Ausreichend trinken: Besonders Wasser und ungesüßte Getränke unterstützen die Harnsäureausscheidung
- Alkohol einschränken: Vor allem Bier kann den Harnsäurespiegel ungünstig beeinflussen
Wie eine purinarme Ernährung im Alltag aussehen kann, zeigt unser Beitrag zur purinarmen Ernährung bei Gicht.
Lebensstil anpassen
Auch der allgemeine Lebensstil spielt eine wichtige Rolle:
- Regelmäßige Bewegung: Gelenkschonende Aktivitäten wie Schwimmen, Radfahren oder zügiges Gehen unterstützen den Stoffwechsel
- Normalgewicht anstreben: Eine langsame Gewichtsabnahme kann erhöhte Harnsäurewerte verbessern. Radikale Diäten sollten vermieden werden, da sie den Harnsäurespiegel kurzfristig erhöhen können.
- Ausreichend trinken: Studien zeigen, dass eine höhere Flüssigkeitszufuhr mit günstigeren Harnsäurewerten verbunden sein kann (5).

Medizinische Behandlung
Bei wiederkehrenden Gichtanfällen, sehr hohen Harnsäurewerten oder einem erhöhten Risiko für Folgeprobleme können harnsäuresenkende Medikamente eingesetzt werden. Diese wirken entweder, indem sie die Bildung von Harnsäure reduzieren oder deren Ausscheidung verbessern.
Welche Behandlung sinnvoll ist, sollte immer individuell ärztlich abgeklärt werden. Weitere Informationen zu den möglichen Therapieansätzen finden Sie im Beitrag „Behandlung der Hyperurikämie“.
Neben diesen klassischen Maßnahmen setzen viele Betroffene ergänzend auf eine gezielte Nahrungsergänzung. Studien deuten etwa darauf hin, dass Montmorency-Sauerkirschen einen unterstützenden Effekt auf den Harnsäurestoffwechsel haben können (6, 7). Mehr dazu finden Sie in diesem Beitrag.
Fazit
Ein erhöhter Harnsäurewert bedeutet nicht automatisch, dass eine Gicht entsteht. Häufig bleibt eine erhöhte Harnsäure über lange Zeit unbemerkt und wird nur zufällig bei einer Blutuntersuchung entdeckt. Entscheidend sind die Höhe des Wertes, die Dauer der Erhöhung und individuelle Risikofaktoren.
Durch eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, regelmäßige Bewegung und einen gesunden Lebensstil lässt sich der Harnsäurespiegel häufig positiv beeinflussen. Bei dauerhaft stark erhöhten Werten oder Beschwerden wie wiederkehrenden Gichtanfällen ist eine ärztliche Abklärung wichtig, um mögliche Folgeprobleme frühzeitig zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet es, wenn die Harnsäure erhöht ist?
Ein erhöhter Harnsäurewert bedeutet, dass sich mehr Harnsäure im Blut befindet, als der Körper ausreichend ausscheiden kann. Die Ursache kann eine erhöhte Harnsäurebildung oder eine verringerte Ausscheidung über die Nieren sein. Ein dauerhaft erhöhter Wert wird als Hyperurikämie bezeichnet.
Ab welchem Wert ist die Harnsäure zu hoch?
Ab einem Harnsäurewert von etwa 7 mg/dl wird der Wert häufig als erhöht angesehen. Die genaue Bewertung hängt jedoch vom Referenzbereich des Labors, dem Geschlecht, möglichen Beschwerden und weiteren Risikofaktoren ab.
Warum ist meine Harnsäure erhöht?
Ein erhöhter Harnsäurewert kann verschiedene Ursachen haben. Häufig liegt eine eingeschränkte Ausscheidung über die Nieren zugrunde. Weitere Einflussfaktoren sind eine purinreiche Ernährung, Alkohol, Übergewicht, bestimmte Medikamente, genetische Faktoren oder Stoffwechselerkrankungen.
Ist erhöhte Harnsäure gefährlich?
Eine erhöhte Harnsäure ist nicht automatisch gefährlich und verursacht häufig lange keine Beschwerden. Bleiben die Werte jedoch dauerhaft hoch, können sich Harnsäurekristalle bilden. Diese können Entzündungen auslösen und das Risiko für Gichtanfälle oder Nierensteine erhöhen.
Was kann ich tun, wenn meine Harnsäure erhöht ist?
Bei erhöhter Harnsäure können eine harnsäurebewusste Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, regelmäßige Bewegung und ein gesundes Körpergewicht helfen. Wichtig ist außerdem, Risikofaktoren wie hohen Alkoholkonsum oder eine sehr purinreiche Ernährung zu reduzieren. Bei stark erhöhten Werten oder Gichtanfällen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen
Welche Lebensmittel sollte ich bei erhöhter Harnsäure meiden?
Bei erhöhter Harnsäure sollten vor allem purinreiche Lebensmittel reduziert werden. Dazu gehören Innereien, größere Mengen rotes Fleisch, bestimmte Fischsorten und Alkohol, insbesondere Bier. Empfehlenswert ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Flüssigkeit.
Kann man erhöhte Harnsäurewerte wieder senken?
Ja, erhöhte Harnsäurewerte lassen sich häufig durch Veränderungen des Lebensstils verbessern. Eine angepasste Ernährung, Gewichtsreduktion bei Übergewicht, regelmäßige Bewegung und ausreichend Flüssigkeit können den Harnsäurespiegel positiv beeinflussen. Falls notwendig, können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). S2e-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der akuten Gicht. AWMF-Register-Nr. 053-032b, Stand 2023.
- Kiltz U, Tsiami S, Baraliakos X. Gicht: aktuelle Epidemiologie, Komorbiditäten, Komplikationen und sozioökonomische Konsequenzen. Akt Rheumatol 2021; 46: 36–41.
- Schienkiewitz A, Kuhnert R, Blume M, Mensink GB. Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen in Deutschland – Ergebnisse der Studie GEDA 2019/2020-EHIS. Journal of Health Monitoring 2022. doi: 10.25646/10292.
- Kiltz U, Tsiami S, Baraliakos X. Gicht: aktuelle Epidemiologie, Komorbiditäten, Komplikationen und sozioökonomische Konsequenzen. Akt Rheumatol 2021; 46: 36–41.
- Kachur P, Bambhroliya C, Liang H, Cheriyath P. Hydration and Gout: Looking at New Modes of Uric Acid Management (Abstract). Arthritis Rheumatol 2017; 69(10).
- Zhang Y, Neogi T, Chen C, Chaisson C, Hunter DJ, Choi HK. Cherry consumption and decreased risk of recurrent gout attacks. Arthritis Rheum 2012; 64(12):4004–11. doi: 10.1002/art.34677.
- Wang C, Sun W, Dalbeth N, Wang Z, Wang X, Ji X et al. Efficacy and safety of tart cherry supplementary citrate mixture on gout patients: a prospective, randomized, controlled study. Arthritis Res Ther 2023; 25(1):164. doi: 10.1186/s13075-023-03152-1.
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