Medikamente und Obst

Medikamente bei Hyperurikämie und Gicht

Wenn sich eine Hyperurikämie nicht mit Hilfe eines gesunden Lebenswandels in den Griff bekommen lässt, muss auf Medikamente zurückgegriffen werden. Deren Einnahme sollte jedoch immer nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen. Die Medikamente zur Behandlung von Hyperurikämie und Gicht hemmen entweder den Abbau von Purinen, fördern die Ausscheidung der Harnsäure, oder lindern die Symptome des Gichtanfalls.

Allopurinol

Als erstes Medikament wird in aller Regel Allopurinol verwendet. Dieser Wirkstoff hemmt das Enzym Xanthinoxidase, welches an der Umwandlung von Purin zu Harnsäure beteiligt ist. Man bezeichnet Allopurinol deshalb auch als Urikostatikum. Die Harnsäure-Vorstufen Xanthin und Hypoxanthin werden nicht weiter umgewandelt und über die Niere ausgeschieden. Daher muss die Dosierung von Allopurinol auch bei bereits bestehenden Nierenschäden gut an die Nierenleistung angepasst werden. Liegt ein akuter Gichtanfall vor, sollte Allopurinol nicht gegeben werden. Durch die gesteigerte Ausscheidung von Xanthin und Hypoxanthin über die Niere kann es zu einem Rückstau der Harnsäure kommen, wodurch es zu einer Verschlechterung der Symptomatik kommen kann.

Neben Allopurinol gibt es noch weniger geläufige Medikamente wie Febuxostat, welches ähnlich wie Allopurinol wirkt, und sogenannte Urikosurika. Unter diese Bezeichnung fallen Präparate wie Probenecid und Benzbromaron, welche die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere steigern. Diese Medikamente dürfen jedoch nicht bei eingeschränkter Nierenfunktion eingenomen werden.

Natürliche Alternative

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Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass einige Gicht-Präparate in den ersten Monaten der Anwendung das Risiko eines Gichtanfalls auch erhöhen können. Dabei werden bereits bestehende Harnsäure-Kristalle aufgelöst und ausgeschwemmt. Die Harnsäure gelangt dadurch ins Blut und kann den Harnsäure-Spiegel in die Höhe treiben. Weitere Nebenwirkungen umfassen Hautausschläge, Veränderungen des Blutbildes, Störungen im Magen-Darm-Trakt und Störungen am Nervensystem.

 

Entzündungshemmer

Im Rahmen des akuten Gichtanfalls kommt es in der Regel zu schweren Entzündungen im Bereich der Gelenke. Dabei richten sich Immunzellen gegen die abgelagerten Harnsäure-Kristalle. Sie nehmen diese als Fremdkörper wahr und wollen sie bekämpfen. Um die Entzündungssymptome zu lindern kann man auf verschiedene Arzneimittel zurückgreifen.

Die erste Wahl sind dabei meist sog. nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Dazu zählen geläufige Präparate wie Ibuprofen und Diclofenac. Diese Medikamente hemmen Enzyme, die Entzündungsmediatoren freisetzen. Dadurch wird die Signalkette, die zur Auslösung einer Entzündung führt, unterbrochen und das entzündliche Geschehen gelindert.

Auch Aspirin mit seinem Wirkstoff Acetylsalicylsäure zählt zu den NSAR. Im Gegensatz zu Ibuprofen und Diclofenac muss man als Gichtpatient jedoch vorsichtig mit der Einnahme sein. Eine Studie von 2014 konnte zeigen, dass die Einnahme von sog. Low-dose ASS das Risiko eines Gichtanfalls massiv steigert (1). Dabei war das Risiko umso höher, je niedriger die Dosierung des ASS war. Viele Menschen mit erhöhtem Herzinfarkt-Risiko nehmen täglich niedrig dosiertes ASS, um dadurch der Bildung von Blutgerinnseln vorzubeugen. Leiden diese Menschen dann gleichzeitig unter Gicht, sollte die Medikation entsprechend von einem Arzt angepasst werden.

Ein weiteres Problem bei der Einnahme von NSAR ist, dass die meisten dieser Präparate das Risiko von Magengeschwüren erhöhen. Aus diesem Grund werden sie bei längerer Einnahme in der Regel mit einem Präparat zur Reduktion der Magensäure-Produktion verabreicht.

Weitere Alternative zu NSAR

Reichen NSAR nicht mehr aus, um eine Entzündung einzudämmen, kann man auch auf das deutlich stärkere Kortison zurückgreifen. Kortison dient im menschlichen Körper als Stresshormon und entfaltet dabei unterschiedlichste Wirkungen. Unter anderem reduziert es sehr effektiv Entzündungen, sodass es bei den meisten entzündlichen Erkrankungen die Beschwerden lindert. Allerdings entfaltet Kortison im Körper auch sehr weitreichende Nebenwirkungen. Es beeinflusst auf verschiedenste Arten den Stoffwechsel und erhöht unter anderem das Risiko für Infektionen, Diabetes mellitus, Osteoporose, Thrombose, psychische Störungen und vieles mehr. Aus diesem Grund sollte die Einnahme gründlich abgewogen werden.

Colchicin

Bei Colchicin handelt es sich um das aufbereitete Gift der Herbstzeitlosen. Es ist als Medikament für die Therapie eines akuten Gichtanfalls zugelassen und lindert sehr effektiv Entzündungen und Schmerzen. Colchicin bindet an ein Strukturprotein der Immunzellen und verhindert die Freisetzung von Botenstoffen, sodass keine weiteren Immunzellen angelockt werden. Außerdem hemmt es die Teilung und Vermehrung der Zellen. Colchicin reduziert also sehr effektiv die Beschwerden des Gichtanfalls, beeinflusst jedoch nicht den Harnsäure-Spiegel.

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Bei der Einnahme von Colchicin ist es besonders wichtig, sich an die vom Arzt angeordnete Dosierung zu halten, da es sonst zu schweren Vergiftungserscheinungen kommen kann, die sogar lebensgefährlich werden können.

Sofern die Gicht durch eine andere Erkrankung ausgelöst wurde, ist es wichtig, dass zunächst die zu Grunde liegende Erkrankung therapiert wird. Die Therapie der Gicht kann dann gegebenenfalls zusätzlich erfolgen.

 

Quellen

  1. Zhang, Y., Neogi, T., Chen, C., Chaisson, C., Hunter, D. J., & Choi, H. (2014). Low-dose aspirin use and recurrent Gout attacks. Annals of the Rheumatic Diseases, 73(2), 385–90. https://doi.org/10.1136/annrheumdis-2012-202589

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