Tisch mit Tomaten, Spaghetti und einem Kochlöffel.

In Bezug auf die Ernährung sollten bei einer Gichterkrankung, bzw. Hyperurikämie zwei Ziele im Vordergrund stehen. Zum einen sollte ein übermäßiger Verzehr von purinreichen Lebensmitteln vermieden werden. Dadurch kann die Harnsäureproduktion im Rahmen der Verstoffwechselung der Nahrung reduziert werden.

Zum anderen sollte das Entstehen oder Fortschreiten von Übergewicht vermieden werden. Aus nicht restlos geklärten Gründen besteht ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem Risiko eines Gichtanfalls. Außerdem begünstigt Übergewicht die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus. Beide Erkrankungen werden wiederum durch Gicht begünstigt und umgekehrt. Durch das Vermeiden, bzw. die Reduktion von Übergewicht kann man einen zentralen Faktor bei der Entstehung von Zivilisationserkrankungen eliminieren.

Glücklicherweise decken sich viele der Maßnahmen zur Vermeidung von purinreicher Nahrung und Reduktion von Körpergewicht, sodass es möglich ist beide Ziele miteinander zu vereinbaren. Im weitesten Sinne entsprechen die Empfehlungen dabei einer ausgewogenen Mischkost, wie sie auch zum Erhalt der allgemeinen Gesundheit empfohlen wird. Jedoch gibt es einzelne Aspekte, auf die man bei Gicht und Hyperurikämie besonders achten sollte.

Purinreiche Lebensmittel

Burger und Pommes

Purine sind Bestandteil der DNA und kommen als solche in allen Zellen vor (siehe auch Was ist Harnsäure?). Entsprechend ist auch besonders zellreiche Nahrung in der Regel purinhaltig, wobei es eine Reihe von Ausnahmen zu dieser Regel gibt. Dabei ist es weitestgehend egal, ob es sich um pflanzliche, oder tierische Zellen handelt. Je dichter der Zellverband, desto höher der Gehalt an Purinen.

Im Allgemeinen weisen vor allem Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte einen dichten Zellverband und dadurch auch einen hohen Gehalt an Purinen auf. Besonders kritisch sind in dieser Hinsicht Schweinefleisch, Innereien, sowie bestimmte Fischsorten wie Sprotte, Sardine, oder Hering. Unter den pflanzlichen Lebensmitteln sind es vor allem bestimmte Hülsenfrüchte wie Erbsen und Linsen, die einen hohen Puringehalt aufweisen.

Angesichts dieser Aufzählung hat sich bei vielen Menschen eingeprägt, dass ein hoher Proteingehalt in der Nahrung mit viel Purin assoziiert sei. Außerdem seien vor allem tierische Lebensmittel als bedenklich zu betrachten. Tatsächlich zählen Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchte zu den proteinreichsten Lebensmitteln, jedoch gibt es einige entscheidende Ausnahmen von dieser Regel. So gelten Eier und insbesondere Milchprodukte trotz ihres tierischen Ursprungs als besonders purinarm und trotzdem proteinreich. Der Grund ist einfach nachzuvollziehen. Während es sich bei Fleisch und Fisch um einen Zellverband handelt, sind Milch und Eier eine nicht-zelluläre Mischung von Nährstoffen, die der Ernährung des Nachwuchses dienen. Sie enthalten also einfach wenig, bzw. gar keine Zellen und dementsprechend wenig Purin. In diesem Sinne gilt Milch sogar als purinärmstes Lebensmittel überhaupt.

Purinarme Lebensmittel

Salat mit Paprika und Schafskäse

Neben Milch und Eiern gelten vor allem Gemüse und Obst als purinarm. Diese Lebensmittel enthalten zwar durchaus Zellen, jedoch bilden diese lediglich eine Art Gerüst, während der Hauptteil der Frucht aus Wasser besteht. Ausnahmen bilden dabei jedoch Spargel, Spinat, Kohl und Rhabarber, die einen verhältnismäßig hohen Gehalt an Purinen aufweisen. Trotzdem sollten verschiedene Gemüsesorten wie Kreuzblüter, Salate, Tomaten, Möhren, Paprika und Kartoffeln das Fundament der Gicht-Ernährung bilden. Obst hingegen sollte trotz seines geringen Purin-Gehalts nur in Maßen verzehrt werden. Grund dafür ist die enthaltene Fructose. Dieser Einfachzucker kann im Rahmen seiner Verstoffwechselung den Abbau von Purinen verstärken und die Ausscheidung von Harnsäure verringern.

Natürliche Alternative

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Als einziges Obst mit besonders günstigem Einfluss auf den Harnsäurespiegel gelten übrigens Sauerkirschen. Ihr Fructose-Gehalt ist nicht allzu hoch, dafür gelten sie traditionell als Hausmittel bei Gicht. Tatsächlich konnten auch mehrere Studien in den letzten Jahren bestätigen, dass Sauerkirschen effektiv den Harnsäurespiegel senken, und das Risiko von Gichtanfällen verringern. In diesem Fall kann man tatsächlich sagen, dass die Vorteile der Sauerkirschen bei Gicht ihre Nachteile überwiegen. Wenn man also nicht auf Obst verzichten möchte, sollte man auf Sauerkirschen zurückgreifen.

Weitere wichtige Lebensmittelgruppen sind Getreide, Nüsse und Samen. Diese Lebensmittel weisen in der Regel einen niedrigen bis mittleren Puringehalt auf, da sie strukturell zu einem großen Teil aus pflanzlichen Stärke-, bzw. Fettspeichern bestehen. Am besten geeignet für die Ernährung bei Gicht sind dabei Reis, Roggen und Weizen, sowie Mandeln, Hasel- und Walnüsse. Weniger günstig sind Hafer und Buchweizen, sowie Erdnüsse und Sonnenblumenkerne.

Fette in der Ernährung bei Gicht

Die diversen Pflanzenöle, welche aus Nüssen und Kernen gewonnen werden, gelten übrigens ebenfalls als nahezu purinfrei, da sie aus den Samen herausgepresst werden. Trotzdem sollten nicht alle Sorten von Ölen bei Gicht bedenkenlos verzehrt werden, da bestimmte Pflanzenöle entzündliche Prozesse im Körper fördern. Gicht ist mit Entzündungen auf Grund von Harnsäure-Kristallen assoziiert, sodass eine Förderung der Entzündungen vermieden werden sollte. Die entzündungsfördernde Wirkung wird auf das Verhältnis der essentiellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in der Nahrung zurückgeführt. Dem zu Grunde liegt ein relativ komplizierter biochemischer Prozess, der jedoch darin resultiert, dass besonders größere Mengen an Omega-6-Fettsäuren Entzündungen fördern, während Omega-3-Fettsäuren selbige hemmen. Entsprechend ist es sinnvoll auf Öle mit einem günstigen Verhältnis der beiden Fettsäuren zurückzugreifen. Empfehlenswert sind in diesem Sinne natives Oliven- und Rapsöl, sowie für kalte Speisen Walnuss- und Leinsamenöl.

Tabus in der purinarmen Ernährung

Weitere besonders ungünstige Lebensmittel sind die besonders purinreiche Hefe und vor allem Alkohol. Die Abbauprodukte des Alkohols konkurrieren mit der Harnsäure darum, über die Nieren ausgeschieden zu werden. Wird also vermehrt Alkohol zugeführt, nimmt die Harnsäure-Ausscheidung fast zwangsweise ab. Dieser Zusammenhang scheint besonders bei Bier stark ausgeprägt zu sein, da dieses zusätzlich noch Hefe enthält. Weniger kritisch sind hingegen wohl Wein und Spirituosen.

Koffein und Purine

Tasse Kaffe, Kännchen Milch und Zucker.

Kaffee und Tee gelten hingegen als positiv in Bezug auf den Harnsäurespiegel. Jahrelang war man davon ausgegangen, dass das enthaltene Koffein, bzw. dessen Derivate zu Harnsäure abgebaut werden würde, da es chemisch mit Purin verwandt ist. Inzwischen ist man sich jedoch einig, dass dies nicht der Fall ist. Im Gegenteil gibt es inzwischen sogar Studien, die einen positiven Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Harnsäure beschreiben1.

 
 

Der Fahrplan zur Ernährung bei Gicht

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Betrachtet man all diese Zusammenhänge ergibt sich ein relativ einfaches Bild der Ernährung bei Gicht. Den mengenmäßig größten Anteil der Ernährung sollten purinarme Gemüsesorten wie Kreuzblüter, Salate, Tomaten, Möhren, Paprika und Kartoffeln bilden, ergänzt um fettarme Milchprodukte und moderate Mengen von Eiern. Dieses Fundament wird dann ergänzt um moderate Mengen von Nüssen, Vollkorngetreide und Pflanzenöle mit einem günstigen Fettsäure-Verhältnis. Auch kleinere Mengen von Geflügel, oder Weißfisch wie Kabeljau und Scholle sind hin und wieder erlaubt.

Vermieden werden sollten größere Mengen Fleisch, Fisch, Innereien und Meeresfrüchte, Alkohol, Hefe, größere Mengen Obst und purinreiches Gemüse, sowie Lebensmittel reich an Zucker, bzw. Fructose, vor allem Softdrinks, Fruchtsäfte, Süßwaren, Gebäck und stark verarbeitete Lebensmittel. Einzige Ausnahme sollten Sauerkirschen, oder hochwertiger Sauerkirschsaft darstellen, um die Harnsäure-Ausscheidung zusätzlich anzukurbeln.

Außerdem sollten täglich mindestens 2,5 Liter Wasser, ungesüßter Tee, oder moderate Mengen schwarzer Kaffee zu sich genommen werden.

Wenn man sich weitestgehend an diese Maßnahmen hält, sollte auch die Gesamtenergiezufuhr nicht zu hoch ausfallen, sodass Übergewicht vermieden, bzw. in Verbindung mit Sport sogar reduziert werden kann.

Quellen

  1. Park, K. Y., Kim, H. J., Ahn, H. S., Kim, S. H., Park, E. J., Yim, S. Y., & Jun, J. B. (2016). Effects of coffee consumption on serum uric acid: Systematic review and meta-analysis. Seminars in Arthritis and Rheumatism, 45(5), 580–586. https://doi.org/10.1016/j.semarthrit.2016.01.003

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