Kaffee bei Gicht – Empfehlenswert oder riskant?

Kaffee zählt zu den am meisten konsumierten Getränken weltweit. Für viele Menschen ist es selbstverständlich, dass sie über den Tag mehr von diesem Wachmacher als Wasser trinken. Dabei stellt sich regelmäßig die kontroverse Frage, ob Kaffee gesund ist oder nicht. Gerade wenn man an Gicht erkrankt ist, macht man sich zusätzlich Gedanken darum, was man zu sich nehmen darf und was nicht.

Ist Kaffee gesund?

Bei Kaffee handelt es sich um den Aufguss der gerösteten und gemahlenen Kaffeebohne. Es handelt sich also zunächst einmal um ein recht natürliches Lebensmittel. Trotzdem ist der gesundheitliche Nutzen eines der kontroversesten Themen im Zusammenhang mit gesunder Ernährung. Hauptbestandteil der Diskussion ist dabei in der Regel das enthaltene Koffein.

Koffein ist ein pflanzliches Alkaloid und besitzt verschiedene pharmakologische Eigenschaften. Im Wesentlichen sind diese auf die Aktivierung des sympathischen Nervensystems zurückzuführen. Dieser Bestandteil des Nervensystems dient der Leistungsbereitschaft des Körpers. Man wird wach, aufmerksam, das Blut wird in die Muskeln umgeleitet, Blutdruck und Herzfrequenz nehmen zu. Daneben regt Koffein auch die Produktion von Magensäure im Magen an und steigert die Darm-Aktivität.

Koffein, Teein und Theobromin

Ein Thema, das gerne Verwirrung stiftet, ist der Zusammenhang zwischen Koffein und Teein (auch Thein, oder Tein). Bei Teein handelt es sich im Prinzip um das Koffein in der Teepflanze, das sich eigentlich nicht vom Koffein in der Kaffebohne unterscheidet. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Teein in den Gerbstoffen des Tees gebunden vorliegt, und deshalb nur verzögert im Magen-Darm-Trakt freigesetzt wird. Das Koffein im Kaffe ist deutlich besser gelöst und kann entsprechend auch schneller aufgenommen werden. Daher wird Tee auch im Gegensatz zu Kaffe eine länger anhaltende, anregende Wirkung nachgesagt.

Auch das sog. Theobromin, das in Kakao, der Colanuss und den Blättern der Matepflanze vorkommt, ist ein naher Verwandter des Koffeins. Es ist wie Teein hauptsächlich in den Gerbstoffen der Pflanze gebunden und hat eine anregende Wirkung auf das Nervensystem.

Angst vor Magenkrebs und Bluthochdruck

Die diversen Wirkungen von Koffein führten dazu, dass man Kaffee für verschiedene Erkrankungen, allen voran Magenkrebs und Bluthochdruck verantwortlich machte. Durch die Anregung der Magensäure-Produktion sollte Koffein demnach die Entstehung von Magengeschwüren fördern, die eine Vorstufe von Magenkrebs sein können. Letztlich wurden diese Theorien jedoch in Langzeitstudien widerlegt. Der Zusammenhang zwischen Magenkrebs und Kaffeekonsum ist demnach eher auf andere Risikofaktoren wie Rauchen zurückzuführen, während der Anstieg des Bluthochdrucks nur kurzfristiger Natur ist und nicht zu einer langfristigen Zunahme des Blutdrucks führt.

Kaffee als gesundes Lebensmittel

Ohnehin ist es kurzsichtig, Kaffee nur auf das enthaltene Koffein zu reduzieren. Weitere Inhaltsstoffe umfassen verschiedene Antioxidantien, Magnesium und die sogenannte Chlorogensäure. Gerade letztere war in den vergangenen Jahren Gegenstand verschiedener Untersuchungen. Mittlerweile werden immer mehr Studien veröffentlicht, die Kaffee ein hohes gesundheitliches Potential nachsagen. So soll regelmäßiger, moderater Kaffeekonsum vor Diabetes, Parkinson und Alzheimer schützen. Insgesamt soll sogar die Gesamtsterblichkeit unabhängig von der Todesursache reduziert werden.

Bei Gicht galt Kaffee lange Zeit als Problem, da das enthaltenen Koffein strukturelle Ähnlichkeit mit Purin hat. Inzwischen weiß man jedoch, dass Koffein im Körper nicht zu Harnsäure verstoffwechselt wird. Im Gegenteil gibt es inzwischen sogar Studien, die einen positiven Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und der Ausscheidung von Harnsäure beschreiben (1).

Sollte man also bei Gicht Kaffee zu sich nehmen? Es ist auf jeden Fall nicht schädlich, eventuell sogar vorteilhaft. Auch wenn sich niemand, der keinen Morgenkaffee mag, zu dessen Konsum zwingen sollte, kann man ihn als Kaffeetrinker zumindest beruhigt weiterhin genießen.

Quellen

  1. Park, K. Y., Kim, H. J., Ahn, H. S., Kim, S. H., Park, E. J., Yim, S. Y., & Jun, J. B. (2016). Effects of coffee consumption on serum uric acid: Systematic review and meta-analysis. Seminars in Arthritis and Rheumatism, 45(5), 580–586. https://doi.org/10.1016/j.semarthrit.2016.01.003