Stethoskop

Was bringt ein Arztbesuch bei Gicht? Wie stellt der Facharzt die sichere Diagnose „Gicht“? Welche Behandlung mit Medikamenten hilft gegen Gicht, wenn Hausmittel nicht wirken? Und wie lange gilt eine Krankschreibung beim akuten Gichtanfall? Die häufigsten Fragen zur Gicht-Behandlung beim Arzt, schnell und einfach erklärt.

Welcher ist der richtige Arzt bei Gicht?

Die erste Anlaufstelle bei Verdacht auf Gicht ist die Hausarztpraxis. Als Hausarzt können Ärzte mit einer Weiterbildung im Bereich Allgemeinmedizin oder Innere Medizin arbeiten. Da es sich bei Gicht um eine häufige Erkrankung handelt, deren Ursache eine Stoffwechselstörung ist, ist sie bei dieser Fachrichtung gut aufgehoben.

Als Betroffener kann man bei seinem Hausarzt bzw. seiner Hausärztin meistens schnell einen Termin bekommen und wird langfristig betreut.

Bei schwierigen Fällen kann man zu einem anderen Facharzt überwiesen werden:

  • Ein Rheumatologe kann der richtige Ansprechpartner sein, wenn die Gelenkprobleme nicht auf die übliche Therapie für Gicht ansprechen. Das kann den Verdacht auslösen, dass sich eine andere rheumatische Erkrankung hinter den Schmerzen im Gelenk verbirgt, welche vom Facharzt z.B. mit speziellen Bluttests und Untersuchungen abgeklärt werden kann. Die Wartezeit für einen Termin kann je nach Region mehrere Monate dauern.
  • Der Besuch beim Nephrologen ist sinnvoll, wenn bereits Nierenprobleme vorliegen.
  • Oft leiden Betroffene von Gicht bereits an einem Diabetes Typ 2 und Übergewicht. Für die optimale Behandlung aller Erkrankungen und eine individuelle Therapie ist die Vorstellung beim Diabetologen
  • Bei Gicht erschweren meistens Schmerzen im Fuß das Gehen, was manche an einen Besuch beim Orthopäden denken lässt. Dieser Facharzt kennt sich aus mit Beschwerden an Gelenken, Muskeln und Bändern – allerdings weniger mit der Therapie der Stoffwechselerkrankung Gicht.

Tipps zur Vorbereitung auf den Arztbesuch beim Gichtanfall

Zum ersten Mal wegen Gichtschmerzen zum Arzt? Oder wegen einer Zweitmeinung zur Gicht-Behandlung erstmalig bei einem anderen Arzt? Mit ein wenig Vorbereitung kann man es sich und dem behandelnden Facharzt um einiges leichter machen:

  • Symptom-Tagebuch führen: Wann treten welche Symptome auf? Gibt es etwas im Alltag, dass als Auslöser für Gichtanfälle auftritt?
  • Ernährungs-Tagebuch für einige Tage führen: Es ist zwar aufwändig, alle Lebensmittel aufzuschreiben, aber eine Auflistung aller Lebensmittel und Getränke für einen gewissen Zeitraum verschafft einem einen einmaligen Überblick der eigenen Essgewohnheiten.
  • Offene Fragen an den Arzt vorher notieren, damit man sie im Gespräch nicht vergisst.
  • Medikamentenliste mitbringen, inkl. Name und täglicher Dosis für alle Medikamente, auch homöopathische Mittel und Nahrungsergänzungsmittel.
  • Falls vorhanden: Frühere Befunde mitbringen (z.B. Blut-Laborwerte, Röntgen-Aufnahmen, Arztbriefe und Entlassbriefe aus dem Krankenhaus)
  • NICHT versuchen, den Harnsäure-Spiegel durch Fasten kurzfristig zu senken. Dadurch kann der Harnsäure-Spiegel sogar steigen und im schlimmsten Fall den Gichtanfall verschlimmern.

Mann mit Gicht bei der Hausärztin

Was wird der Arzt bei Gicht fragen / untersuchen?

Für viele ist der Arztbesuch mit Gefühlen von Scham und Verunsicherung behaftet. Was wird der Arzt von einem denken, wenn man lange nicht mehr zur Vorsorge gekommen ist? Wird er einen dafür kritisieren, dass man zu viel Fleisch isst oder zu viel Alkohol trinkt?

Von solchen Sorgen sollte man sich beim akuten Gichtanfall auf keinen Fall abhalten lassen, einen Arzt aufzusuchen!

Eine gute Ärztin bzw. ein guter Arzt wird sich in wenigen Schritten an die Diagnose & Therapie der Gichtanfälle herantasten:

1.      Fragen zum Krankheitsverlauf

Als erstes wird der Arzt einige Fragen stellen, in der Fachsprache „Anamnese“ genannt. Das Ziel der Fragen ist es, die Verdachtsdiagnose Gicht näher einzugrenzen und andere mögliche Ursachen und Erkrankungen auszuschließen. Alle Informationen werden vom Arzt vertraulich behandelt, denn das Gespräch unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht.

Typische Fragen, die man gestellt bekommt, können sein:

  • Seit wann tut das Gelenk weh? Wie haben sich die Schmerzen zeitlich entwickelt?
  • Wo genau sitzt der Schmerz – im großen Zeh, Mittelfuß, Sprunggelenk, Knie, Hände oder ganz woanders? Wie viele Gelenke sind betroffen?
  • Wie fühlt sich der Schmerz an – brennend, pulsierend, dumpf (Schmerzqualität)?
  • Ist dies der erste Anfall? Falls nicht, wann war der erste Gichtanfall?
  • Gab es kürzlich Vorfälle, die eine andere Ursache der Gelenkprobleme nahelegen, z.B. eine Verletzung (in der Fachsprach „Trauma“ genannt) oder eine Behandlung bei einem anderen Arzt?
  • Haben Sie aktuell Schmerzmedikamente eingenommen, Salben probiert oder Maßnahmen gegen die Beschwerden ergriffen – und haben diese geholfen?
  • Gibt es ähnliche Fälle in Ihrer Familie?
  • Welche Vorerkrankungen sind bei Ihnen bekannt, z.B. Diabetes, Nierenprobleme, Krebs?
  • Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein? Sind (Medikamenten-) Allergien bekannt?
  • Wie viel rauchen Sie? Wie viel Alkohol trinken Sie? Konsumieren Sie Drogen?
  • Wie viel bewegen Sie sich in Alltag & Freizeit?

Es kann den Arztbesuch deutlich erleichtern, wenn man sich vorab über diese Fragen Gedanken macht und diese für sich ehrlich beantwortet. Das erlaubt eine bessere Einschätzung der richtigen Therapien.

2.      Körperliche Untersuchung des Gichtgelenks

Als zweites wird sich die Ärztin bzw. der Arzt die betroffene Stelle anschauen und abtasten („Inspektion und Palpation“). Je nach Körperstelle sollte man also an Kleidung denken, die man leicht ausziehen kann. Wenn z.B. das Knie betroffen ist, sollte man darauf vorbereitet sein, die Hose sehr weit hochschieben zu können oder die Hose auszuziehen.

Auch andere Gelenke können untersucht werden, um mögliche Ablagerungen zu finden. Diese Gichttophi sind Anzeichen einer weiter fortgeschrittenen Gicht.

Zusätzlich kann der Arzt ein paar kleine Funktionstests durchführen, um die Beweglichkeit bzw. Bewegungseinschränkung des Gichtgelenks zu beurteilen.

Roter Zeh bei Gicht

3.      Weitere Diagnostik

Als drittes wird Ihr Arzt wahrscheinlich Blut abnehmen lassen. Damit lassen sich eine Vielzahl von Werten auf einmal bestimmen, z.B. Entzündungswerte, Harnsäure, Blutfette, Blutbild. Das ist nicht zwingend notwendig bei einem Gichtanfall, kann aber ein besseres Gesamtbild schaffen oder möglicherweise andere Ursachen ausschließen („Differentialdiagnosen“). Im weiteren Verlauf lassen sich damit auch Veränderungen der Blutwerte kontrollieren und vergleichen.

Außerdem kann eine Untersuchung der Gelenkflüssigkeit gemacht werden. Davon wird allerdings im normalen Umfeld einer Hausarztpraxis abgeraten. Bei „untypischen Fällen“ kann eine Überweisung zum Facharzt für Rheumatologie ausgestellt werden, der mit dieser Untersuchung eine Gichtarthritis nachweisen kann. Dafür würde mit einer Nadel in das entzündete Gelenk gestochen („Gelenkpunktion“), etwas Flüssigkeit entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Wenn es sich um einen Gichtanfall handelt, kann man darin Reste der Natriumuratkristalle finden.

Die Notwendigkeit dieser Untersuchung im Praxisalltag ist umstritten, denn eine Diagnose ist fast immer auch ohne die Gelenkpunktion möglich und verzögert den Therapiebeginn unnötig. Zusätzlich besteht das Risiko, durch die Nadel neue Keime in das Gelenk einzuschleusen.

Wenn der Verdacht auf einen Knochenbruch oder fortgeschrittene Schädigung des Gelenks besteht, kann der Arzt weitere Bildgebung anfordern, z.B. ein Röntgen des Gelenks. Dazu wird eine Überweisung zum Radiologen ausgestellt. Im Normalfall ist ein Röntgen bei Gicht nicht nötig.

Diagnose „Gicht“

Wie erkennt man sicher, ob es sich um Gicht handelt? In erster Linie handelt es sich für den Arzt um eine Blickdiagnose bei den typischen Symptomen und Anzeichen. In der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin DEGAM wird der akute Gichtanfall ganz einfach definiert:

„Rasch einsetzende, schmerzhafte Schwellung meist nur eines Gelenks, z.B. Podagra“

Als „Podagra“ bezeichnet man den Gichtanfall am großen Zeh, insbesondere das Großzehengrundgelenk. Auch andere Gelenke am Fuß, am Knie, oder in der Hand können betroffen sein.

Typischerweise gehen der Gichtattacke keine Vorzeichen voraus (keine „Prodromi“). Es sollten keine anderen offensichtlichen Ursachen für die Schmerzen und die Schwellung des Gelenks vorliegen (keine Operation, keine Injektionen, keine Verletzungen, keine Wunden).

Eine weitere Bedingung für die Diagnose Gicht ist, dass die Schmerzen innerhalb eines Tages ihr Maximum erreichen.

NICHT entscheidend für die Diagnose ist, ob die Harnsäure im Blut erhöht ist. Auch wenn zu hohe Harnsäurewerte eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Gicht spielen, sind die Harnsäurewerte beim akuten Gichtanfall oft nicht erhöht.

Falls bei der Gelenkpunktion (siehe oben) Spuren von Natriumuratkristallen entdeckt werden, ist dies beweisend für eine Gichtarthritis. Für die Diagnosestellung ist das aber nicht erforderlich.

Tablettendose mit Medikamenten gegen Gicht

Behandlung der akuten / chronischen Gicht

Um einen akuten Gichtanfall schnell und effektiv zu behandeln, gibt es mehrere Möglichkeiten. Bei der Entscheidung über die richtige Behandlung haben Sie ein Wörtchen mitzureden. Darum sollte man seine Optionen kennen.

Für den Anfang gibt es eine Reihe von Hausmitteln bei Gicht, die man übergangsweise bis zum Arzttermin oder begleitend zur Therapie anwenden kann.

Nach aktuellem Stand der Forschung gibt es folgende Medikamente gegen Gicht, die für eine Therapie der Gichtschmerzen in Frage kommen. Ihr Hausarzt wird wahrscheinlich eine dieser Behandlungen vorschlagen:

  1. Kombi aus Schmerztabletten aus der Gruppe der NSAR, Cortison-Tabletten und Magenschutz

Zu den NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) gehören z.B. die Wirkstoffe Naproxen, Indometacin, Ibuprofen. Zu dieser Medikamenten-Gruppe gehören auch ASS (Aspirin) und Diclofenac, allerdings werden sie bei Gicht nicht unbedingt empfohlen.

Auch bei den Cortison-Tabletten gibt es große Unterschiede. Laut Leitlinie wird z.B. Prednisolon empfohlen, was zu den „schwachen Glucocorticoiden“ gehört.

Ganz wichtig: Die Tabletten müssen morgens eingenommen werden und werden über 4-5 Tage ausgeschlichen, also am ersten Tag vier Tabletten, am 2. Tag noch drei Tabletten, am 3. Tag zwei, am 4. Tag eine. In dieser Dosierung helfen die Tabletten gut und es sind keine langfristigen Nebenwirkungen zu erwarten.
Da die Kombination aus Schmerzmittel und Cortison ein Risiko für Magengeschwüre mit sich bringt, wird dazu ein „Magenschutz“ empfohlen, z.B. Omeprazol oder Pantoprazol aus der Gruppe der Protonenpumpeninhibitoren (PPI).

  1. Nur Cortison-Tabletten
  2. Nur Schmerztabletten aus der Gruppe der NSAR, eventuell mit Magenschutz
  3. Colchicin, niedrig dosiert

Während eines akuten Gichtanfalls macht es wenig Sinn, mit Medikamenten die Harnsäure zu senken.

Wenn es sich um den ersten Gichtanfall handelt, muss nicht zwingend eine Dauertherapie mit Harnsäure-senkenden Tabletten begonnen werden. Oft reicht schon eine Veränderung der Ernährung bei Gicht und den Verzicht auf Alkohol bei Gicht.

Die Fachmeinungen zur Senkung der Harnsäure gehen auseinander, allerdings gibt es folgende Anzeichen, wann eine Therapie mit dem Gichtmedikament Allopurinol oder Febuxostat (beides nur auf Rezept) sinnvoll ist:

  • wenn es zu mindestens 2 Gichtanfällen pro Jahr kommt
  • wenn sich bereits Gichtknoten / Gichttophi gebildet haben
  • wenn man Harnsteine hat
  • wenn man in Chemotherapie ist

Krankschreibung bei Gicht – wie lange?

Die Schmerzen beim akuten Gichtanfall tun höllisch weh. Je nach Tätigkeit kann die Gichtattacke einen für ein paar Tage arbeitsunfähig machen, denn man müsste das Gelenk kühlen und hochlagern. Der Hausarzt kann einem deshalb eine Krankschreibung bei Gicht aufschreiben.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) wird individuell abgestimmt, je nach Erkrankung und Arbeitseinschränkung. Wenn die Behandlung mit den Medikamenten gut anschlägt, sollte eine Krankschreibung für 4 Tage reichen. Unbehandelt kann ein Gichtanfall bis zu zwei Wochen andauern (siehe Wie lange dauert ein Gichtschub?)

Für den Fall, dass man den Gichtanfall mit den Medikamenten schneller in den Griff bekommt, kann man natürlich trotz Krankschreibung zur Arbeit gehen – es handelt sich nicht um ein Arbeitsverbot. Falls die Schmerzen nicht wie erwartet zurückgehen, kann man sich nochmal bei Hausarzt vorstellen und um eine Verlängerung bitten.

Fazit

  • Gicht ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, mit der man unbedingt zum Arzt gehen sollte.
  • Der richtige Arzt beim akuten Gichtanfall ist der Hausarzt. Bei Komplikationen ist eine Überweisung zum Rheumatologen, Radiologen, Diabetologen etc möglich.
  • Eine gute Vorbereitung erleichtert das Gespräch mit dem Arzt, um auf Augenhöhe über die eigenen Probleme und Wünsche zu sprechen.
  • Bei den Untersuchungsmethoden und bei der Behandlung gibt es eine Reihe von Möglichkeiten – einiges wird dringend empfohlen, anderes gilt als überflüssig.
  • Mit der richtigen Therapie kann man die Schmerzen der Gichtattacke in wenigen Tagen in den Griff bekommen. Ohne Therapie kann es leider bis zu zwei Wochen dauern.
  • Beim akuten Gichtanfall kann man eine Krankschreibung / AU bekommen, je nach Beschwerden und Arbeitsbelastung.

Quellen

Engel B, Prautzsch H: DEGAM S1-Handlungsempfehlung – Akute Gicht in der hausärztlichen Versorgung. Leitlinie der deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, aWMF-Registernr. 053/032b; September 2013. URL: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-032bk_S1_akute_Gicht_2013-10.pdf.

Engel B, Prautzsch H: : DEGAM S1-Handlungsempfehlung – Häufige Gichtanfälle und chronische Gicht in der hausärztlichen Versorgung: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-032ak_S1_Chronische_Gicht_2013-09.pdf Leitlinie der deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, aWMF-registernr. 053/032a; September 2013.