Ärztin hält eine Stethoskop

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Was bedeutet mein Harnsäurewert?

Der Harnsäurewert sagt etwas darüber aus, wie viel Milligramm Harnsäure sich zum Zeitpunkt des Tests im Blutserum befindet, also dem flüssigen Teil des Bluts. Als „zu hoch“ gilt der Harnsäurewert ab etwa 7 mg/ dL (416 μmol/l). Man spricht dann von einer Hyperurikämie. Dauerhaft erhöhte Werte im Blut stehen in engem Zusammenhang mit Gichtanfällen, so dass heutzutage die Behandlung einen Zielwert unter 6 mg /dL (360 μmol/l) anstrebt. (1)

Harnsäurewert allein reicht nicht zur Gicht-Diagnose

Löst nun ein Harnsäurespiegel über 7 mg/dL sofort einen Gichtanfall aus? Ganz so einfach ist es nicht. Für die Diagnose ist die erhöhte Harnsäurekonzentration allein nicht aussagekräftig genug, denn längst nicht alle Menschen mit einer solchen Hyperurikämie entwickeln tatsächlich Gichtsymptome. In einer mehrjährigen Studie entwickelte nur jeder Fünfte mit erhöhten Harnsäurewerten auch Gichtanfälle. (2)
Zusätzlich kommen bei Gelenkbeschwerden auch andere Erkrankungen als Erklärung in Frage.

Andersherum schließt ein niedriger Harnsäurewert während eines Anfalls die Diagnose Gicht nicht zwingend aus. Mehrere Studien fanden bei 14 % der Patienten mit akuten Gichtbeschwerden keinen erhöhten Harnsäurespiegel (3) (siehe auch  Gicht-Diagnose)

Harnsäure- und Blutzuckerwerte nicht vergleichbar

Wie hoch die Harnsäure im Serum ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Ernährung nimmt auf unterschiedliche Weise Einfluss, z.B. direkt durch purinreiche Lebensmittel und indirekt durch Fructose. Allerdings kann auch das Auslassen einer Mahlzeit, z.B. beim Fasten oder ein Tag ohne Frühstück, den Harnsäurewert erhöhen. Das macht die Korrelation zwischen Ernährung und Wert komplexer, als der Zusammenhang zwischen Broteinheiten, Blutzuckerwerten und Insulin-Dosierung bei Diabetikern.

Zusätzlich entsteht Harnsäure beim körpereigenen Purinabbau (siehe auch Was ist Harnsäure?), völlig unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Somit gibt der Harnsäurespiegel auch Hinweise auf die Enzymaktivität und Nierenfunktion und kann zur Kontrolle des Behandlungserfolgs mit Medikamenten und natürlichen Präparaten herangezogen werden.

Quellen

  1. Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh): Langfassung zur S2e-Leitlinie Gichtarthritis
  2. Campion, E.W., R.J. Glynn, and L.O. DeLabry: Asymptomatic hyperuricemia. Risks and consequences in the Normative Aging Study. Am J Med, 1987. 82(3): p. 421-6.
  3. Schlesinger, N., J.M. Norquist, and D.J. Watson, Serum urate during acute gout. J Rheumatol, 2009. 36(6): p. 1287-9.