Hyperurikämie: Ursachen, Symptome und Behandlung  

Eine Hyperurikämie bezeichnet einen dauerhaft erhöhten Harnsäurespiegel im Blut. Häufig bleibt eine Hyperurikämie zunächst unbemerkt, da sie meist keine Beschwerden verursacht. Dennoch kann ein langfristig erhöhter Harnsäurewert das Risiko für Harnsäureablagerungen, Gichtanfälle und weitere gesundheitliche Probleme erhöhen. Umso wichtiger ist es, die Ursachen zu kennen, den Harnsäurewert regelmäßig zu kontrollieren und frühzeitig gegenzusteuern. 

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie eine Hyperurikämie entsteht, welche Ursachen und Symptome möglich sind und welche Maßnahmen helfen können, den Harnsäurespiegel positiv zu beeinflussen. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Hyperurikämie bedeutet einen dauerhaft erhöhten Harnsäurespiegel im Blut und ist zunächst nur ein erhöhter Laborwert.
  • Sie entsteht, wenn der Körper mehr Harnsäure bildet, als ausgeschieden werden kann, oder die Nieren die Ausscheidung nicht ausreichend leisten.
  • Eine Hyperurikämie verursacht häufig keine Beschwerden, kann aber langfristig das Risiko für Gichtanfälle und Harnsäureablagerungen erhöhen.
  • Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen Ernährung, Alkohol, Übergewicht, Nierenfunktion, genetische Faktoren und bestimmte Medikamente.

Was ist Hyperurikämie? 

Eine Hyperurikämie bedeutet, dass der Harnsäurespiegel im Blut dauerhaft erhöht ist. Sie entsteht, wenn der Körper mehr Harnsäure bildet, als über die Nieren ausgeschieden werden kann, oder wenn die Ausscheidung der Harnsäure eingeschränkt ist. 

Eine Hyperurikämie ist zunächst keine Erkrankung, sondern ein erhöhter Laborwert. Bleibt der Harnsäurespiegel jedoch über längere Zeit zu hoch, kann sich überschüssige Harnsäure in Form von Kristallen in Gelenken und Gewebe ablagern. Diese Ablagerungen können Entzündungen auslösen und zu Gichtanfällen führen. 

Unterschied zwischen Hyperurikämie und Gicht 

Eine Hyperurikämie bedeutet nicht automatisch, dass eine Gicht entsteht. Allerdings ist das Risiko für Gicht bei dauerhaft erhöhten Harnsäurewerten deutlich erhöht, da die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Harnsäurekristallen steigt.  

  • Hyperurikämie: Ein dauerhaft erhöhter Harnsäurewert im Blut, der das Risiko für Gicht erhöht 
  • Gicht: Eine entzündliche Erkrankung, die durch Ablagerungen von Harnsäurekristallen entsteht 

Wie entsteht Hyperurikämie? 

Eine Hyperurikämie entsteht, wenn sich mehr Harnsäure im Blut befindet, als der Körper ausscheiden kann. Entscheidend ist dabei das Gleichgewicht zwischen der Bildung und der Ausscheidung von Harnsäure. 

Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen. Diese natürlichen Bausteine kommen in allen Körperzellen vor und werden zusätzlich über bestimmte Lebensmittel aufgenommen. Beim Abbau der Purine entsteht Harnsäure, die anschließend wieder aus dem Körper entfernt werden muss. 

Normalerweise übernimmt vor allem die Niere diese Aufgabe. Kann die Harnsäure nicht ausreichend ausgeschieden werden oder wird zu viel davon gebildet, steigt der Harnsäurespiegel im Blut an. 

Die häufigsten Ursachen einer Hyperurikämie sind: 

  • Verringerte Ausscheidung über die Niere: Die Niere kann Harnsäure nicht schnell genug aus dem Körper ausscheiden. Dies ist die häufigste Ursache. 
  • Erhöhte Harnsäurebildung: Der Körper produziert mehr Harnsäure, als er abbauen kann. 

Das Ergebnis: Die Harnsäure sammelt sich im Blut an und es entsteht eine Hyperurikämie. Bleibt der Harnsäurespiegel dauerhaft erhöht, können sich Harnsäurekristalle in Gelenken und Gewebe ablagern. Dadurch steigt das Risiko für Gichtanfälle deutlich. 

Hände halten Modelle der Nieren – Bedeutung der Nieren für die Ausscheidung von Harnsäure und die Entstehung von Gicht.

Ursachen einer Hyperurikämie 

Eine Hyperurikämie entsteht meist nicht durch eine einzelne Ursache, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Entscheidend ist dabei immer das Gleichgewicht zwischen der Bildung und der Ausscheidung von Harnsäure. 

Die wichtigsten Ursachen und Risikofaktoren im Überblick: 

Ursache Wie sie wirkt 
Ernährung Purinreiche Lebensmittel wie Innereien, rotes Fleisch oder bestimmte Fischsorten können die Harnsäurebildung erhöhen. 
Alkohol Alkohol steigert die körpereigene Harnsäurebildung und kann gleichzeitig die Ausscheidung über die Nieren verringern. Besonders Bier wirkt sich ungünstig auf den Harnsäurespiegel aus. 
Übergewicht Ein erhöhter Körperfettanteil kann den Harnsäurestoffwechsel beeinflussen, die Harnsäureproduktion erhöhen und die Ausscheidung über die Niere erschweren. 
Genetische Faktoren Eine eingeschränkte Harnsäureausscheidung kann erblich bedingt sein und bereits vor weiteren Risikofaktoren bestehen. 
Medikamente Bestimmte Wirkstoffe, beispielsweise Diuretika (Entwässerungsmedikamente), können die Ausscheidung von Harnsäure über die Niere reduzieren. 
Eingeschränkte Nierenfunktion Wenn die Nieren nicht optimal arbeiten, wird weniger Harnsäure ausgeschieden und der Harnsäurewert im Blut steigt. 

Übergewicht spielt bei der Entstehung einer Hyperurikämie eine besonders wichtige Rolle: Laut einer bundesweiten Erhebung ist inzwischen über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland von Übergewicht betroffen (1). Dadurch steigt bei vielen Menschen die Belastung des Harnsäurestoffwechsels. Auch Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, das metabolische Syndrom oder Diabetes treten häufig gemeinsam mit einer Hyperurikämie auf, da sie ähnliche Stoffwechselprozesse beeinflussen. 

Welche Symptome verursacht Hyperurikämie? 

Die kurze Antwort: in den meisten Fällen keine. Genau das macht die Hyperurikämie-Symptome so tückisch, oder besser gesagt: ihr Fehlen. 

  • Häufig symptomlos: Eine erhöhte Harnsäure kann über Jahre bestehen, ohne dass Betroffene etwas davon spüren. Sie fällt oft nur zufällig bei einer Blutuntersuchung auf. 
  • Erste Gichtanfälle: Wenn sich Harnsäure über längere Zeit im Gewebe ablagert, kann es zu einem plötzlichen, sehr schmerzhaften Gichtanfall kommen, meist das erste spürbare Anzeichen überhaupt. 
  • Gelenkbeschwerden: Typisch sind Schmerzen, Schwellung, Rötung und Überwärmung eines Gelenks, besonders häufig am Großzehengrundgelenk. 
  • Nierensteine: Bleibt der Harnsäurewert dauerhaft hoch, können sich auch in den Nieren Kristalle bilden und Nierensteine entstehen, die die Nierenfunktion beeinträchtigen können. 

Gerade weil eine Hyperurikämie so oft symptomlos bleibt, lohnt sich eine regelmäßige Kontrolle des Harnsäurewertes, besonders bei bekannten Risikofaktoren. Sonst bleibt ein hoher Harnsäurewert womöglich jahrelang unentdeckt, bis der erste Gichtanfall kommt. 

Person hält schmerzende und geschwollene Hand – typische Beschwerden bei einem akuten Gichtanfall.

Erhöhte Harnsäure erkennen 

Eine Hyperurikämie wird durch eine einfache Blutuntersuchung festgestellt, bei der der Harnsäurewert im Blut (Serum) gemessen wird. Da erhöhte Harnsäurewerte zunächst häufig keine Beschwerden verursachen, wird eine Hyperurikämie oft zufällig entdeckt, beispielsweise bei einer Routineuntersuchung. 

Mehr Informationen dazu finden Sie in diesem Beitrag.

Wie entsteht aus einer Hyperurikämie Gicht? 

Erst wenn sich überschüssige Harnsäure über längere Zeit im Körper ansammelt und sich Kristalle bilden, kann ein Gichtanfall entstehen. Der Prozess läuft vereinfacht in drei Schritten ab: 

  • 1. Bildung von Harnsäurekristallen: Ist die Harnsäurekonzentration im Blut dauerhaft zu hoch, kann die Harnsäure nicht mehr vollständig gelöst bleiben. Es entstehen kleine, nadelförmige Harnsäurekristalle, die sich bevorzugt in Gelenken und Gewebe ablagern können. 
  • 2. Entzündungsreaktion: Das Immunsystem erkennt diese Kristalle als Fremdkörper und aktiviert eine starke Abwehrreaktion. Dabei wandern Immunzellen in das betroffene Gelenk ein und lösen eine Entzündung aus. 
  • 3. Gichtanfall: Die Entzündung verursacht die typischen Beschwerden eines Gichtanfalls: 
  • plötzlich auftretende, starke Gelenkschmerzen 
  • Schwellung und Rötung 
  • Überwärmung des betroffenen Gelenks 

Bleiben erhöhte Harnsäurewerte unbehandelt, können sich immer wieder neue Kristalle ablagern. Dadurch können die Gichtanfälle häufiger auftreten und langfristig zu einer chronischen Gicht mit möglichen Gelenkschäden führen. Eine frühzeitige Kontrolle und Behandlung erhöhter Harnsäurewerte kann helfen, diesen Verlauf zu verhindern. 

Wie wird Hyperurikämie behandelt? 

Die Behandlung einer Hyperurikämie setzt an mehreren Stellen an. Ziel ist es, den Harnsäurespiegel langfristig zu senken und das Risiko für Harnsäureablagerungen und Gichtanfälle zu reduzieren. Aktuelle ärztliche Leitlinien empfehlen dabei einen ganzheitlichen Ansatz aus Lebensstilmaßnahmen und, falls notwendig, einer medikamentösen Therapie (2). 

  • Ernährung: Eine ausgewogene, purinbewusste Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Flüssigkeit kann helfen, den Harnsäurewert positiv zu beeinflussen. Studien zu einer DASH-ähnlichen Ernährungsweise zeigen bereits nach wenigen Wochen eine messbare Senkung der Harnsäurewerte (3, 4). Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wird mit niedrigeren Harnsäurewerten in Verbindung gebracht (5). 
  • Bewegung: Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Spaziergänge unterstützt den Stoffwechsel und kann sich langfristig positiv auf den Harnsäurewert auswirken. 
  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht kann bereits eine moderate und langsame Gewichtsabnahme dazu beitragen, erhöhte Harnsäurewerte zu senken. Radikale Diäten oder starkes Fasten sollten vermieden werden, da schnelle Stoffwechselveränderungen einen Gichtanfall begünstigen können. 
  • Medikamente: Bei wiederkehrenden Gichtanfällen, starken Harnsäureerhöhungen oder einem erhöhten Risiko für Komplikationen kann eine harnsäuresenkende Therapie notwendig sein. Die Auswahl und Dosierung der Medikamente sollte immer ärztlich abgestimmt werden (2). 

Neben diesen klassischen Maßnahmen setzen viele Betroffene ergänzend auf eine gezielte Nahrungsergänzung. Studien deuten etwa darauf hin, dass Montmorency-Sauerkirschen einen unterstützenden Effekt auf den Harnsäurestoffwechsel haben können (6, 7). Mehr dazu erfahren Sie in diesem Beitrag.

Älterer Mann beim Aufwärmen im Freien – regelmäßige Bewegung als Teil eines gesunden Lebensstils bei Gicht.

Welche Harnsäurewerte gelten als normal? 

Die normalen Harnsäurewerte im Blut unterscheiden sich zwischen Männern und Frauen, da unter anderem hormonelle Unterschiede den Harnsäurestoffwechsel beeinflussen. Ob ein Wert als erhöht gilt, wird anhand des gemessenen Harnsäurewertes und des jeweiligen Referenzbereichs des Labors beurteilt. 

Bei einer bestehenden Hyperurikämie oder Gicht gelten häufig strengere Zielwerte. Hier geht es nicht nur darum, den Harnsäurewert in den Normalbereich zu bringen, sondern ihn so weit zu senken, dass sich möglichst keine neuen Harnsäurekristalle bilden. Eine ausführliche Übersicht mit Referenzwerten und Tabelle finden Sie im Beitrag „Harnsäurewerte“. 

Fazit 

Eine Hyperurikämie bleibt häufig lange unbemerkt, kann aber bei dauerhaft erhöhten Harnsäurewerten das Risiko für Harnsäureablagerungen und Gicht erhöhen. Entscheidend ist daher, erhöhte Werte frühzeitig zu erkennen und die Ursachen zu behandeln. 

Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung, genügend Flüssigkeit und einem gesunden Körpergewicht kann helfen, den Harnsäurespiegel positiv zu beeinflussen. Bei stark erhöhten Werten oder wiederkehrenden Gichtanfällen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. 


Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Hyperurikämie? 

Eine Hyperurikämie bezeichnet einen dauerhaft erhöhten Harnsäurespiegel im Blut. Sie entsteht, wenn der Körper mehr Harnsäure bildet, als ausgeschieden werden kann, oder wenn die Nieren die Harnsäure nicht ausreichend entfernen.

Was ist der Unterschied zwischen Hyperurikämie und Gicht?

Eine Hyperurikämie bedeutet zunächst nur, dass der Harnsäurespiegel im Blut erhöht ist. Gicht entsteht erst, wenn sich Harnsäurekristalle in Gelenken oder Gewebe ablagern und dadurch Entzündungen auslösen. Nicht jede Person mit Hyperurikämie entwickelt automatisch eine Gicht, aber dauerhaft erhöhte Harnsäurewerte erhöhen das Risiko deutlich.

Welche Ursachen hat eine Hyperurikämie?

Die häufigste Ursache einer Hyperurikämie ist eine eingeschränkte Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren. Weitere mögliche Ursachen sind eine erhöhte Harnsäurebildung, purinreiche Ernährung, regelmäßiger Alkoholkonsum, Übergewicht, genetische Faktoren, bestimmte Medikamente oder eine eingeschränkte Nierenfunktion. 

Welche Symptome treten bei einer Hyperurikämie auf?

Eine Hyperurikämie verursacht häufig über viele Jahre keine Beschwerden und bleibt daher oft unbemerkt. Erste Symptome treten meist erst auf, wenn sich Harnsäurekristalle gebildet haben. Typische Beschwerden können ein plötzlicher Gichtanfall mit starken Gelenkschmerzen, Schwellung und Rötung oder die Bildung von Harnsäure-Nierensteinen sein. 

Ist Hyperurikämie gefährlich?

Eine Hyperurikämie ist zunächst nicht gefährlich und verursacht oft keine Beschwerden. Bleiben die Harnsäurewerte jedoch dauerhaft erhöht, können sich Harnsäurekristalle bilden und das Risiko für Gichtanfälle, Gelenkschäden oder Nierenprobleme erhöhen. 

Kann man Harnsäure selbst messen?

Ja. Es gibt Harnsäuremessgeräte für zuhause, mit denen sich der Wert unkompliziert per Fingerpunktion bestimmen lässt. Nicht jedes Gerät eignet sich dabei gleichermaßen gut, denn Genauigkeit und Handhabung unterscheiden sich teils deutlich. Mehr dazu lesen Sie in diesem Beitrag.


Quellen

  1. Schienkiewitz A, Kuhnert R, Blume M, Mensink GB. Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen in Deutschland – Ergebnisse der Studie GEDA 2019/2020-EHIS. Journal of Health Monitoring.
  2. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Leitlinie Gicht – Diagnostik und Therapie.
  3. Juraschek SP, Miller ER, Wu B, White K, Charleston J, Gelber AC et al. A Randomized Pilot Study of DASH Patterned Groceries on Serum Urate in Individuals with Gout. Nutrients 2021.
  4. Gohari S et al. The effect of dietary approaches to stop hypertension and ketogenic diets intervention on serum uric acid concentration: a systematic review and meta-analysis. Scientific Reports 2023.
  5. Kachur P, Bambhroliya C, Liang H, Cheriyath P. Hydration and Gout: Looking at New Modes of Uric Acid Management. Arthritis Rheumatol. 2017.
  6. Zhang Y, Neogi T, Chen C, Chaisson C, Hunter DJ, Choi HK. Cherry consumption and decreased risk of recurrent gout attacks. Arthritis & Rheumatism 2012.
  7. Wang C, Sun W, Dalbeth N, Wang Z, Wang X, Ji X et al. Efficacy and safety of tart cherry supplementary citrate mixture on gout patients: a prospective, randomized, controlled study. Arthritis Research & Therapy 2023.

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