Helfen Sauerkirschen bei Gicht?

Kirschen hängen auf einem Ast

Sauerkirschen hängen auf einem Ast

Ein Thema, das seit einigen Jahren immer wieder im Zusammenhang mit Gicht zur Sprache kommt, sind Sauerkirschen. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen befassten sich mit dem positiven Einfluss der roten Früchte auf Harnsäurespiegel und das Risiko von Gichtattacken. Und die Ergebnisse sind in der Tat vielversprechend: Sauerkirschen haben das Potential die Harnsäure zu senken und eine Gichttherapie effektiv zu unterstützen

Zur Erntezeit blieben die Patienten aus

Dabei reicht die Geschichte der Sauerkirsche bei Gicht bis in die 1950er Jahre zurück: Rund um den Lake Michigan, USA, konnte beobachtet werden, dass während der Erntezeit der dort heimischen Montmorency Sauerkirsche die Zahl der Gicht-Patienten in Arztpraxen deutlich zurückging. Da lag der Rückschluss nicht fern, dass die heimische Frucht bei Gicht Linderung verschaffen könnte und die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen wurden begonnen.

Sauerkirschen fördern die Ausscheidung von Harnsäure

Montmorency Sauerkirsche Set

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In einer Studie des US-Landwirtschaftsministerium konnte man beobachten, dass der Verzehr von Sauerkirschen die Ausscheidung der Harnsäure steigert. Die Forscher bestimmten die Harnsäure-Konzentration in Blut und Urin und fanden so heraus, dass durch den Verzehr die Harnsäure Ausscheidung um 75% erhöht werden konnte. Im Ergebnis reduzierte sich der Harnsäure-Spiegel im Blut um durchschnittlich 15% und es war außerdem möglich verschiedene Entzündungsmarker zu senken (1).

 

Sauerkirschen senken das Risiko von Gichtattacken

Diesen vielversprechenden Studienergebnissen folgte einige Jahre später eine mehrjährige groß-angelegte Studie mit der zentralen Frage, ob Montmorency Sauerkirschen das Risiko einer Gichtattacke reduzieren können.

Die Forscher der Universität Boston untersuchten mehr als 630 Gichtpatienten jeweils für einen Zeitraum von einem Jahr, wobei die Probanden im Durchschnitt 54 Jahre alt waren und in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Die erste Gruppe nahm frische Sauerkirschen zu sich, die Probanden der zweiten Gruppe erhielten einen Sauerkirschen-Extrakt und die dritte Gruppe bekam eine Kombination aus Sauerkirschen und dem gängigen Gichtpräparat Allopurinol.

Die Forscher dokumentierten die Zahl der Gichtanfälle und kamen zu beeindruckenden Ergebnissen. In der Gruppe, die frische Sauerkirschen zu sich genommen hatte, sank das Risiko eines Gichtanfalls um 35%. Bei Einnahme des Sauerkirschen-Extrakts erreichte man sogar eine Reduktion um 45%. Am effektivsten war die klassische medikamentöse Therapie in Kombination mit Montmorency Sauerkirschen. Hier sank das Risiko der Gichtanfälle um ganze 75%. Grund genug für die Versuchsleiter, die Frucht als wertvollen Beitrag einer Gichttherapie zu empfehlen (2).

Was ist mit dem Fruchtzucker (Fructose) in Sauerkirschen?

Wie viele Gichtpatienten wissen, ist einer der kritischen Faktoren bei der angepassten Ernährung der Fruchtzucker oder Fructose. Dieser Einfachzucker, der von Natur aus in Obst und Honig vorkommt, wird verstärkt in der Leber verstoffwechselt. Dabei kann es zu einem gesteigerten Abbau von Purinen kommen, wodurch der Harnsäure-Spiegel steigt (siehe auch Fructose bei Gicht).

Da Sauerkirschen als Obst natürlich auch Fructose enthalten, scheint die Empfehlung der Forscher zum Verzehr bei Gicht und erhöhter Harnsäure zunächst als Widerspruch. Allerdings kann man in diesem Fall davon ausgehen, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen. Zum Einen war die Menge an Sauerkirschen, die in den Studien zum Einsatz kam überschaubar. Und solange man ansonsten die Fructose in der Ernährung reduziert, ist der Verzehr von ein bis zwei Hand voll Sauerkirschen, oder Sauerkirschsaft in den meisten Fällen unbedenklich. Darüber hinaus ist der Anteil des Fruchtzuckers in einem Extrakt deutlich reduzierter, da bei der Gewinnung des Extraktes der wasserlösliche Zucker zum größten Teil entzogen wird.

Montmorency-Sauerkirschen als erste Wahl

Buch-Tipp: Montmorency Sauerkirsche

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Besonders die Sauerkirschsorte Montmorency hat sich in Studien als besonders wertvoll erwiesen. Sie ist besonders reich an Anthozyanen, sekundären Pflanzenstoffen und Melatonin. Darüber hinaus war es die Montmorency aus Michigan, die das wissenschaftliche Interesse an der roten Frucht geweckt hat.

Da man nicht ganzjährig auf frische Sauerkirschen zurückgreifen kann, gibt es inzwischen auch in Deutschland Saftkonzentrate und Extrakte, wie sie auch in der Bostoner Studie verwendet wurden, allerdings gibt es große Unterschiede bei der Qualität.

 

Bei Extrakten ist es wichtig auf folgende Qualitätsmerkmale zu achten:

– Eine Extrakt-Konzentration von mind. 45:1
– Eine tiefrote, dunkle Farbe der Kapseln bzw. des Pulvers
– Keine Füll- oder Ersatzstoffe

Ein hochwertiger Sauerkirschen-Extrakt, der diese Anforderungen erfüllt, stellt eine gute Alternative zur frischen Frucht dar.

Ähnliches gilt für die Wahl des richtigen Konzentrats, hier ist auf folgendes zu achten:

– Hohes Konzentrationsverhältnis von etwa 12 KG Kirschen pro ½ Liter
– Eine schonende Herstellung bei niedrigen Temperaturen und Kühlung
– Der Verzicht auf Zusatz- und Konservierungsstoffe

Ein hochwertiger Sauerkirschen-Extrakt, der diese Anforderungen erfüllt oder auch ein hochwertiges Konzentrat stellen eine gute Alternative zur frischen Frucht dar. Sie können eine praktische und vor allem natürliche Ergänzung einer Diät bei Gicht und erhöhter Harnsäure sein.

Quellen

  1. Jacob, R. A., Spinozzi, G. M., Simon, V. A., Kelley, D. S., Prior, R. L., Hess-Pierce, B., & Kader, A. A. (2003). Consumption of cherries lowers plasma urate in healthy women. The Journal of Nutrition, 133(6), 1826–9. Retrieved from http://jn.nutrition.org/content/133/6/1826.full.pdf+html
  2. Zhang, Y., Neogi, T., Chen, C., Chaisson, C., Hunter, D. J., & Choi, H. K. (2012). Cherry consumption and decreased risk of recurrent gout attacks. Arthritis and Rheumatism, 64(12), 4004–11. https://doi.org/10.1002/art.346

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