Gicht ist eine entzündliche Stoffwechselerkrankung, die durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken entsteht. Betroffene erleben dabei häufig plötzliche und intensive Schmerzepisoden, die oft von Schwellungen und Rötungen begleitet werden. Neben den verfügbaren medikamentösen Behandlungsoptionen suchen viele Patienten nach natürlichen Wegen zur Symptomlinderung. In diesem Kontext gewinnt der regelmäßige Verzehr von Montmorency-Sauerkirschen zunehmend an Bedeutung: Ihre positive Wirkung wurde bereits durch wissenschaftliche Studien belegt, wodurch sie eine vielversprechende Ergänzung zur Unterstützung bei Gicht darstellen.
Inhaltsverzeichnis
Das sagt die Wissenschaft über die Wirkung von Montmorency-Sauerkirschen:
We conducted a case-crossover study to examine associations of a set of putative risk factors with recurrent gout attacks. Participants were asked about the following information when experiencing a gout attack: the onset date of the gout attack, symptoms and signs, medications (including anti-gout medications), and potential risk factors (including daily intake of cherries and cherry extract) during the 2-day period prior to the gout attack. We assessed the same exposure information over 2-day control periods. We estimated the risk of recurrent gout attacks related to cherry intake using conditional logistic regression. Results: Our study included 633 individuals with gout. Cherry intake over a 2-day period was associated with a 35% lower risk of gout attacks compared with no intake (multivariate odds ratio [OR] = 0.65, 95% CI: 0.50–0.85). Cherry extract intake showed a similar inverse association (multivariate OR = 0.55, 95% CI: 0.30–0.98). The effect of cherry intake persisted across subgroups by sex, obesity status, purine intake, alcohol use, diuretic use, and use of anti-gout medications. When cherry intake was combined with allopurinol use, the risk of gout attacks was 75% lower than periods without either exposure (OR = 0.25, 95% CI: 0.15–0.42).
(Zhang et al. 2012) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23023818/
Die Studienergebnisse im Überblick
Forscher der Boston University führten eine einjährige Fall-Kontroll-Studie mit 633 Gichtpatienten durch. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Kirschen und dem Risiko wiederkehrender Gichtanfälle zu untersuchen.
- Sauerkirschkonsum senkte bereits innerhalb von 2 Tagen das Risiko für Gichtanfälle um 35 % im Vergleich zu keiner Kirschaufnahme.
- Einnahme von Sauerkirsch-Extrakten zeigte eine ähnliche Schutzwirkung mit einer Risikoreduktion von etwa 45 %.
- Kombination aus Kirschkonsum und Diuretika senkte das Risiko für weitere Gichtanfälle um 75 %.
- Die schützende Wirkung von Kirschen blieb unabhängig von Geschlecht, Übergewicht, purinreicher Ernährung, Alkoholkonsum, Diuretikaeinsatz und Einnahme von
- Gichtmedikamenten bestehen (Zhang et al. 2012).
Kann Montmorency-Sauerkirsche tatsächlich bei Gicht helfen?
Die Montmorency-Sauerkirsche hat sich als besonders wirksam erwiesen. Im Vergleich zu anderen Kirschsorten enthält sie die höchsten Konzentrationen wertvoller Pflanzenstoffe, insbesondere Polyphenole und Anthocyane. Diese verleihen der Frucht nicht nur ihre intensive, tiefrote Farbe, sondern sind auch maßgeblich für ihre positiven gesundheitlichen Effekte verantwortlich (Hillman et al. 2021).
So hilft die Montmorency-Sauerkirsche bei Gicht
- Fördert die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren und unterstützt so die Entlastung des Körpers (Wang et al. 2023)
- Hemmt die Rückaufnahme von Harnsäure ins Blut, wodurch die Ausscheidung erhöht, wird (Schlesinger et al. 2012)
- Besitzt entzündungshemmende Eigenschaften, die typische Entzündungsprozesse bei erhöhtem Harnsäurespiegel reduzieren (Gholami et al. 2022)
Fazit zur Wirkung von Montmorency-Sauerkirschen
Die Studie legt nahe, dass der Konsum von Montmorency Sauerkirschen oder deren Extrakt das Risiko wiederkehrender Gichtanfälle signifikant reduzieren kann. Besonders in Kombination mit Diuertika scheint ein synergistischer Effekt vorzuliegen. Während weitere randomisierte klinische Studien erforderlich sind, um diese Ergebnisse zu bestätigen, könnten Montmorency Sauerkirschen eine wertvolle Ergänzung zur Gichtprävention darstellen.
Literatur
Gholami A, Amirkalali B, Baradaran HR, Hariri M. The beneficial effect of tart cherry on plasma levels of inflammatory mediators (not recovery after exercise): A systematic review and meta-analysis on randomized clinical trials. Complement Ther Med 2022; 68:102842. doi: 10.1016/j.ctim.2022.102842.
Hillman, A. R., & Uhranowsky, K. (2021). Acute Ingestion of Montmorency Tart Cherry Reduces Serum Uric Acid but Has no Impact on High Sensitivity C-Reactive Protein or Oxidative Capacity. Plant Foods for Human Nutrition (Dordrecht, Netherlands), 76(1), 83–89. https://doi.org/10.1007/s11130-021-00879-7
Schlesinger N. Pilot Studies of Cherry Juice Concentrate for Gout Flare Prophylaxis. J Arthritis 2012; 01(01). doi: 10.4172/2167-7921.1000101.
Wang C, Sun W, Dalbeth N, Wang Z, Wang X, Ji X et al. Efficacy and safety of tart cherry supplementary citrate mixture on gout patients: a prospective, randomized, controlled study. Arthritis Res Ther 2023; 25(1):164. doi: 10.1186/s13075-023-03152-1.
Zhang Y, Neogi T, Chen C, Chaisson C, Hunter DJ, Choi HK. Cherry consumption and decreased risk of recurrent gout attacks. Arthritis Rheum 2012; 64(12):4004–11. doi: 10.1002/art.34677.
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