Schmerzbehandlung bei Gicht

Arzt tastet Gichtzeh ab

Beim akuten Gichtanfall ist meistens ein Gelenk betroffen, das plötzlich heftige Schmerzen verursacht. Dahinter steckt eine Entzündung, die sich innerhalb weniger Stunden entwickelt und schon am ersten Tag ein Maximum an Schmerz erreichen kann. Welche Schmerzmittel bei Gicht jetzt helfen, welche Hausmittel für die Schmerzbehandlung in Frage kommen und welche Fehler man unbedingt vermeiden sollte, erfahrt Ihr in diesem Beitrag.

Woher kommen die Schmerzen beim Gichtanfall?

Typischerweise ist das Grundgelenk des großen Zehs, manchmal auch ein anderes Gelenk am Fuß, in der Hand oder das Knie (ein Gelenk = Monoarthritis) betroffen. In etwa 10% der Fälle schmerzen beim ersten Gichtanfall auch mehrere Gelenke auf einmal (Polyarthritis). Das Gelenk ist heiß, sehr empfindlich und tut heftig weh, es kann geschwollen und gerötet sein.

Die Ursache der Schmerzen bei Gicht ist eine Entzündung, weil die eigene Immunabwehr Ablagerungen von sogenannten Harnsäurekristallen im Gelenk erkennt und bekämpft. Die Kristalle entstehen, wenn im Blut so viel Harnsäure schwimmt, dass diese anfängt zu „klumpen“ und sich besonders in kühleren Körperteilen wie dem Fuß in Form von Kristallen ablagert. Woher die Harnsäure kommt, ist im Artikel „Harnsäure – was ist das?“ erklärt.

Entzündungshemmende Schmerzmittel

Bei einem akuten Gichtanfall sollte man schnell reagieren – am besten innerhalb der ersten 12 bis 24 Stunden – denn dann können die Schmerzen am effektivsten gestoppt werden. Ohne Behandlung kann der Schub sonst 1 – 3 Wochen Schmerzen bereiten. Außerdem schädigt die lange Entzündung das Gelenk.

Im Vordergrund steht jetzt, die Entzündung zu unterdrücken. Erst nach zwei Wochen sollte man sich mit dem Auslöser des Gichtanfalls beschäftigen (siehe unten). Zur Schmerzbehandlung stehen drei Medikamentengruppen zur Verfügung, die teilweise kombiniert werden können: Cortison, NSAR, Colchicin. Manche Mittel müssen vom Hausarzt verschrieben werden, denn nicht jedes Schmerzmedikament eignet sich für jeden Betroffenen.

Verschiedene Tabletten und Pillen

Kortison (Cortison / Cortisol / Kortikoide) bei Gicht

Der Hausarzt kann eine kurze und sehr effektive Schmerztherapie mit Cortison Tabletten verschreiben, wie z.B. Prednisolon. Dabei handelt es sich um eine künstlich hergestellte Form des eigentlich natürlichen Steroidhormons Cortisol. Als „synthetisches Glukokortikoid“ hat es eine stark entzündungshemmende Wirkung, die den Gichtanfall im Gelenk zurückdrängt.

Viele Menschen sind skeptisch bei Cortison, weil das Cortisol / Cortison auf Dauer eine ganze Reihe von Nebenwirkungen auslösen kann. Allerdings spielt das bei einer kurzen Schmerzbehandlung bei Gicht (ca. 4-5 Tage Einnahme) keine große Rolle. Trotzdem kann man eine geringere Dosis Cortison einnehmen, wenn man es z.B. mit einem Schmerzmedikament aus der Gruppe der NSAR kombiniert:

1. NSAR

Bei einem Gichtanfall sind diese Schmerzmittel oft als erstes zur Hand, denn sie sind teilweise frei verkäuflich. Zu diesen Schmerzmitteln, die als Nicht-Steroidale-Anti-Rheumatika zusammengefasst werden, zählen z.B. bekannte Mittel wie Ibuprofen, Diclofenac, Aspirin. Nicht alle sind bei Gicht zu empfehlen. Ihre Wirkung beruht darauf, dass sie ein Enzym hemmen, dass bei Entzündungen die Schmerzweiterleitung und die Entzündung selbst verstärken würde (COX-Hemmung). Bei einem Gichtanfall werden von Hausärzten folgende Produkte empfohlen:

  • Naproxen, z.B. eine Tablette Naproxen 500 mg morgens & eine abends.
  • Diclofenac, z.B. je 50 mg morgens, mittags und abends
  • Ibuprofen, z.B. je 600 mg morgens und abends

Wie eine Studie gezeigt hat, scheint Aspirin bei einem Gichtanfall ungeeignet zu sein. Tatsächlich scheint das weit verbreitete, niedrig dosierte ASS das Risiko für einen Gichtanfall eher zu erhöhen [Zhang et al. 2014]. Alle NSAR-Schmerzmittel und auch Cortison können leider die Schleimhaut des Magens angreifen und so langfristig zu Magengeschwüren führen. Deshalb sollte man diese Medikamente mit einem „Magenschutz“ einnehmen (z.B. Omeprazol 20 mg morgens).

2. Colchicin

Herbstzeitlose Blume

Als Alternative steht auch Colchicin zur Verfügung, ein Heilmittel aus der Natur, gewonnen aus dem Gift der Herbstzeitlosen. Das Gift lähmt unsere eigenen Immunzellen, so dass diese nicht mehr in das betroffene Gelenk eindringen können und sich die Entzündung abschwächt. Colchicin kann vom Hausarzt verschrieben werden, wenn man aus anderen gesundheitlichen Gründen keine Cortison- oder NSAR-Therapie bekommen darf. Allerdings kann das pflanzliche Mittel bei einer Überdosierung starke Nebenwirkungen auslösen wie z.B.:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Probleme mit Leber, Nieren, Haut und Knochenmark
  • Starke Vergiftung: Multiorganversagen, Koma, Tod

Welches Medikament ist zu empfehlen?

1. Wahl: Kombi aus Schmerzmittel, Entzündungshemmer und Magenschutz

Da die Schmerzen am ersten Tag schon am stärksten sind und von einer Entzündung ausgehen, kann man den Gichtanfall für einige Tage mit Cortison-Tabletten, einem Schmerzmittel und einem Magenschutz kombinieren. Am Anfang nimmt man die höchste Dosis, dann jeden Tag etwas weniger Cortison. Das kann zum Beispiel sein:

Entzündungshemmer Prednisolon 10 mg, am ersten Tag 4 Tabletten, am zweiten Tag 3 Tabletten, am dritten Tag 2 Tabletten, am vierten Tag nur noch eine.

  • Schmerzmittel Naproxen 500mg, eine morgens und eine abends
  • Magenschutz: Omeprazol 20mg morgens

2. Wahl: Nur Entzündungshemmer oder nur Schmerzmittel

Schmerzlinderung bei Gicht: kein Alkohol, kühlen, Fuß hochlagern

Alternativ kann man auch nur Schmerzmittel oder nur Cortison einnehmen, benötigt dann aber eventuell eine höhere Dosis. Dazu auch einen Magenschutz.

3. Wahl: Colchicin

Das Gift der Herbstzeitlosen war zwar lange erste Wahl als Gegenmittel beim Gichtanfall, wirkt allerdings langsamer und kann auch viele Nebenwirkungen mit sich bringen.

Weingläser und Trauben

Fehler vermeiden – diese Mittel bei Gicht NICHT einnehmen

  • Harnsäuresenkende Medikamente – Allopurinol: Das wichtigste Gicht-Medikament sollte tatsächlich nicht beim akuten Gichtanfall genommen werden, sondern erst danach, um einem neuen Gichtanfall vorzubeugen.
  • Aspirin – Es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass dieses Schmerzmittel das Risiko für einen Gichtanfall eher erhöht.
  • Alkohol – Für manche erscheint Alkohol wie eine simple Lösung, um Schmerz zu betäuben, doch bei einem Gichtanfall ist das eine besonders schlechte Idee. Der Alkohol verschlimmert das Problem und erhöht das Gichtrisiko.

Natürliche Hilfsmittel beim Gichtanfall

  • Kühlen: das heiße Gelenk mit einem Kühl-Pack oder kalten Umschlägen beruhigen.
  • Hochlagern: Den Fuß mit dem schmerzhaften großen Zeh auf einem Kissen oder bequemen Hocker lagern.
  • Ernährung: Nach dem Gichtanfall kann man mit der Ernährung die Harnsäure etwas senken, zur natürlichen Unterstützung der Medikation.

Fazit: Natürliche Hilfsmittel & Medikamente

Wenn bei einem akuten Gichtanfall der Schmerz im Gelenk plötzlich so stark wird, sollte man zügig handeln. Natürliche Hausmittel wie das Kühlen und Hochlagern des betroffenen Fußes helfen erstmal, können die Entzündung allerdings nicht aufhalten. Unbehandelt leidet man dann noch bis zu drei Wochen. Auch große Medikamente-Feinde werden bei diesen Schmerzen schwach und sollten sich mit ihrem Hausarzt beraten, welche Mittel in Frage kommen. Mit der richtigen Auswahl kann der Gichtanfall in wenigen Tagen bekämpft werden.

Quellen:

  1. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (2018). DEGAM Patienteninformation Gicht. URL: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-032abp1_Gicht_2019-01_01.pdf
  2. Zhang, Y., Neogi, T., Chen, C., Chaisson, C., Hunter, D. J., & Choi, H. (2014). Low-dose aspirin use and recurrent Gout attacks. Annals of the Rheumatic Diseases, 73(2), 385–90. https://doi.org/10.1136/annrheumdis-2012-202589