Harnsäure-Messgerät mit Sensoren

Ob nach einem akuten Gichtanfall oder bei langjährigen Gichtbeschwerden, dem Harnsäurewert im Blut gilt beim Arzt besondere Aufmerksamkeit. Verschiedene Harnsäure-Messgeräte für Zuhause versprechen eine schnelle Messung der Harnsäure im Blut. Doch ist das wirklich sinnvoll? Wie zuverlässig sind sie und was kosten sie?

Artikel veröffentlicht August 2017, komplettes Update Stand Oktober 2019.

Mit dem eigenen Harnsäure-Messgerät die Werte im Blick?

Wenn beim Hausarzt das erste Mal ein erhöhter Harnsäurewert im Blut auffällt, dann denkt man sich wahrscheinlich noch nichts dabei. Viele Menschen haben eine familiäre Neigung zu hohem Harnsäurespiegel (primäre Hyperurikämie), ohne jemals eine Gicht zu entwickeln. Sobald ein Gichtanfall auftritt, wird der Harnsäurewert jedoch relevant. Bei langjähriger Gicht sollte man vorsorglich seine Werte im Blick behalten, um Gichtschüben vorzubeugen.

Neben den Labortests beim Arzt gibt es schon seit einigen Jahren verschiedene Messgeräte, die auch für Zuhause eine schnelle Messung der Harnsäure im Blut versprechen. In der Handhabung erinnern diese Harnsäure-Messgeräte an die üblichen Blutzucker-Messgeräte für Diabetiker: Ein Tropfen Blut auf dem Teststreifen erzielt nach 5-30 Sekunden einen passablen Wert.

Die Erwartung an die Genauigkeit der Messung, wie man sie aus dem Labor kennt, sollte gemäßigt sein.

Bisher führen die Harnsäure-Messgeräte ein absolutes Nischendasein. In Apotheken sind sie kaum bekannt, von der Krankenkasse werden sie regulär nicht erstattet. Weder in den fachärztlichen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) noch in der Leitlinie von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), an denen sich die Hausärzte orientieren, ist vom privaten Gebrauch der Harnsäure-Messgeräte die Rede. Ein eigenes Messgerät für Zuhause ist also als Bonus zu verstehen, den man am Besten vorab mit dem behandelnden Arzt besprechen sollte.

Warum das Messen der Harnsäurewerte so wichtig ist

Der Haken beim erhöhten Harnsäurespiegel: Man bemerkt ihn nicht zwingend sofort. Viele Menschen leben beschwerdefrei. Selbst bei einem akuten Gichtanfall erscheint bei einem Drittel der Betroffenen der Harnsäurewert täuschend normal (1). Die schlimmen Schmerzen klingen nach ca. zwei Wochen ab und die Gicht verliert an Aufmerksamkeit.

Nach dem ersten Gichtanfall braucht man nicht direkt mit Harnsäure-senkenden Medikamente wie z.B. Allopurinol beginnen.(2) Aber einige Veränderungen im Leben können sinnvoll sein, um chronischen Beschwerden vorzubeugen. Das Blut kann nur begrenzt Harnsäure aufnehmen – was zu viel ist, lagert sich in Kristallen ab und schädigt Gelenke. Betroffenen und Angehörigen wird darum vor allem eine lebenslange Ernährungsumstellung auf purinarme Kost, Alkoholverzicht und Abnehmen geraten.

So tiefe Eingriffe in den Alltag sind für viele schwer durchzuhalten – erst recht ohne sofort sichtbare Konsequenzen. Nicht ohne Grund gehört Gicht damit zu den Krankheiten mit der schlechtesten „Compliance“, d. h. dem Befolgen ärztlicher Ratschläge. Die Folge: Der nächste Gichtanfall kommt wieder, und in der Zwischenzeit verschlechtern die schleichenden Entzündungen und Gelenkschädigungen durch abgelagerte Harnsäure-Kristalle den Verlauf der Gichterkrankung.

Welcher Wert für Harnsäure im Blut ist normal?

Um die Gichtbeschwerden zu bessern und weitere Risiken zu vermeiden, muss der erhöhte Harnsäurespiegel im Blut gesenkt werden. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass der Harnsäurewert dauerhaft unter 6 mg/dL bzw. 360 μmol/l gehalten werden muss um die Gicht zu besiegen. Bei starken Beschwerden mit Gichtknoten („Tophi“), wird von manchen Experten sogar ein Harnsäurewert unter 5 mg/dL bzw. 300 μmol/l empfohlen, um die Ablagerungen wieder abzubauen.

Achtung: Die Einschätzung des Harnsäurewerts sollte gemeinsam mit den behandelnden Ärzten erfolgen! Wenn der Harnsäurewert stets zu hoch ist, man dabei aber absolut beschwerdefrei ist und keine Gicht entwickelt, braucht es nach aktueller Experteneinschätzung keine senkende Therapie. Ein „zu hoher“ Wert kann dann „normal“ sein.

Wenn die Gichtattacken jedoch hartnäckig wiederkommen, kann das Erreichen eines bestimmten Zielwerts für die Harnsäure sinnvoll sein (sogenanntes „Treat to Target“).

Online finden sich teilweise sehr unterschiedliche Angaben für „Normalwerte“ bei Frauen und Männern. Der Artikel „Was bedeutet mein Wert?“ gibt dazu eine Einführung.

Wie oft sollte man Harnsäure messen?

Steht nach einem akuten Gichtanfall die Diagnose fest, sollten die Blutwerte in regelmäßigen Abständen bestimmt werden. Anfangs alle 3 Monate, später alle 6 – 12 Monate wird dazu eine Kontrolle beim Hausarzt empfohlen.

Mit einem eigenen Harnsäure-Messgerät ließen sich die Blutwerte häufiger bestimmen, z.B. wöchentlich. Wie sinnvoll eine noch häufigere Messung ist, ist durchaus fraglich. Anders als bei manchen Diabetikern, die sich mehrmals täglich den Blutzuckerspiegel messen, besteht bei erhöhtem Harnsäurespiegel kein akutes Risiko.

Am Anfang kann ein „Tagesprofil“ interessant sein, um den eigenen Körper besser zu verstehen. Aber die Schwankungen im Tagesverlauf können auch Verwirrung stiften und bringen keinen großen Mehrwert für die Therapie. Es reicht also eine Messung zur gleichen Uhrzeit, z.B. morgens vor dem Frühstück, in regelmäßigen Intervallen, z.B. alle 3 Tage oder einmal pro Woche.

Was können Harnsäure-Messgeräte leisten? Und was nicht?

Grundsätzlich messen die Harnsäure-Messgeräte die aktuelle Konzentration der gelösten Harnsäure im Blut – nicht im Harn. Damit ist diese Technik klar von Urin-Teststreifen zu unterschieden, die über den Sammelurin Hinweise auf die Funktion der Nieren geben. Hier wird zwar ein Großteil der Harnsäure aus dem Blut gefiltert, allerdings nicht alles. Die Urin-Teststreifen können damit nur indirekt Informationen über den Harnsäurespiegel im Blut liefern. Der Blutwert ist aber oft entscheidend in der Gicht-Therapie.

Die Technik im handlichen Gerät unterscheidet sich auch von den Labortests. Streng genommen beziehen sich die vergleichbaren Harnsäurewerte im Blut (auch der Zielwert < 6 mg/dL) auf die Konzentration im Serum. Dafür müsste eine geronnene Blutprobe erst zentrifugiert werden. Dies ist bei Harnsäure-Messgeräten für Zuhause nicht der Fall, wo einfach ein frischer Blutstropfen als Probe dient.

Zur Messgenauigkeit tragen verschiedene Faktoren bei, auf die Zuhause nicht immer geachtet wird. Dazu zählen:

  • sehr saubere, desinfizierte Finger
  • Schwankungen je nach Tageszeit, (weggelassene) Mahlzeiten
  • Alkoholkonsum der letzten Tage
  • regelmäßige Wartung mit einer Kontrolllösung des Herstellers

Die Messgenauigkeit verschiedener Geräte hängt auch von der Technologie und Verarbeitung ab. Hier im Gicht Forum finden sich Erfahrungsberichte mit schlechten Messergebnissen und großen Schwankungen. Eine Pharma-Studie von 2016 (3) verglich vier Messgeräte für Zuhause, bei dem nur zwei an die Laborwerte herankamen. Eins davon ist auch in Deutschland erhältlich, das BeneCheck (siehe unten im Messgeräte Vergleich).

Was für Harnsäure-Messgeräte gibt es? Was kosten sie und wo kann man die Messgeräte günstig kaufen?

Aktuell sind über Amazon und Online-Apotheken drei Geräte erhältlich, die entweder nur Harnsäure („BeneCheck“), Harnsäure & Blutzucker („Sinocare AQ“), oder Harnsäure & Blutzucker & Cholesterin („Multicheck Pro“) messen. (Stand Oktober 2019):

1.      Der Alleskönner: „Lifetouch Multicheck Pro“

Schon länger auf dem Markt ist das Kombigerät „Multicheck Pro“ von Lifetouch, das neben Harnsäure auch Blutzucker und Cholesterin messen kann. Das Multicheck Pro wird auch in manchen Krankenhäusern und Praxen eingesetzt. Das Messgerät selbst kostet bei Amazon zwar etwas mehr (um die hundert Euro), dafür sind die zusätzlich benötigten Harnsäure-Teststreifen mittlerweile etwas günstiger geworden (ab ca. 0,80€ pro Teststreifen). Die größere Teststreifen-Packung lohnt sich erst bei häufigeren Messungen, denn sie sind nur drei Monate haltbar (max. 23,80€ / 25 Stück = 0,95€ pro Teststreifen). Es gibt eine Kontrolllösung (4,80 €, aktuell nicht über Amazon), die man bei jeder neuen Packung oder nach längerer Messpause einsetzen sollte, um verlässliche Werte zu erhalten.

Zusätzlich zu den Harnsäure-Messgeräten werden für die Blutprobe immer Lanzetten benötigt, um in die Fingerkuppe zu stechen. Diese muss man hier separat kaufen. Es gibt Lanzetten in verschiedenen Ausführungen relativ günstig in 100er-Packungen, z.B. von AccuChek Safe T Pro.

Fazit: Ein etabliertes Gerät für umfangreiche Messungen, vor allem für Betroffene und Risikopatienten mit der Kombination aus Gicht, Diabetes und Fettstoffwechselstörung. Insgesamt etwas teurer, dafür hoffentlich länger einsetzbar. An der Bedienbarkeit scheiden sich die Geister.

Gerät „Lifetouch Multicheck Pro“: 99 €
10 Harnsäure-Teststreifen: 8-12 €
25 Harnsäure-Teststreifen: 19-24 € = 0,76 – 1,20 € / Stück
Harnsäure-Kontrolllösung: 4,80€
+ Lanzetten

2.      Der chinesische Newcomer: „Sinocare Safe AQ“

Der neuere, chinesische Konkurrent Sinocare bietet mit „Safe AQ“ ein günstigeres Gerät, das Harnsäure und Glucose im Blut bestimmen kann. Das Starter-Kit enthält praktischerweise direkt je 50 Teststreifen für beide Messwerte und 100 Lanzetten. Angeblich sind die Teststreifen sogar 12 Monate haltbar und sollen auch ohne Kontrolllösung korrekte Ergebnisse liefern. Auch die Nachbestell-Packungen sind im Vergleich viel günstiger als die bisherigen Anbieter.

Fazit: Ob bei diesem Billig-Angebot die Qualität sinkt und es lieferbar bleibt, ist nicht ganz klar. Bei der Anschaffung erhält man immerhin einen Jahresbedarf an Teststreifen mit dazu. Wichtiger Tipp für die Anwendung: Der Blutstropfen muss an die Seite des Streifens gehalten werden, damit er sich in den Teststreifen reinsaugen kann.

Gerät „Sinocare Safe AQ“ inkl 100 Teststreifen & Lanzetten: ca. 56€ auf Amazon
50 Harnsäure-Teststreifen inkl. Lanzetten: ca. 20€ auf Amazon = ca 0,40€ / Stück

3.      Harnsäure und fertig: „BeneCheck Premium“ und „BeneCheck Plus 3in1“

Als Nachfolger des früheren „Glucofast UA“ und „Glucofast Duo“ ist seit einiger Zeit der sehr günstige Anbieter BeneCheck mit zwei Geräten dabei. Man kann nicht nur online sondern auch über die Apotheke beziehen. Als einziges Harnsäure-Messgerät, das wirklich nur Harnsäure im Blut bestimmt, kommt das „BeneCheck Premium“ sehr handlich und günstig daher.

Das einfache BeneCheck „Premium“ Harnsäure-Messgerät kostet in der Anschaffung nur ca. 21-24 € und wird im Etui ausgeliefert, das bereits 10 Teststreifen und eine Stechhilfe mit 10 Lanzetten enthält. Die Nachfüllpackungen mit 25 Teststreifen für 23€ liegen mit 0,92€/Teststreifen preislich im gleichen Segment wie der Lifetouch Multipro.

Das umfangreichere BeneCheck „Plus 3in1“ verspricht wie der „Multicheck Pro“ eine bequeme Messung von Harnsäure, Glukose und Cholesterin – aber günstiger. Das Starter-Paket enthält zusätzlich je 10 Teststreifen für Harnsäure und Blutzucker, sowie 5 Teststreifen für Cholesterin und 25 Lanzetten. Das Set kostet bei Amazon knapp 80€.

Fazit: Wer seine Gicht / Hyperurikämie im Blick behalten möchte und keine Probleme mit Diabetes oder erhöhten Cholesterin-Werten hat, für den ist das BeneCheck Premium aktuell die beste Wahl.

Gerät „BeneCheck Premium Harnsäure-Messgerät“ inkl 10 Teststreifen & Lanzetten: 24 €
auch über Apotheken: PZN 13625428
25 Teststreifen: ca. 23€

Fazit

Mit Harnsäure-Messgeräten lässt sich der Harnsäurespiegel im Blut auch zwischen den Kontrollterminen beim Arzt bestimmen. Die Messung erfordert ein wenig Übung und ist nicht ganz billig. Es gilt auch einige Störfaktoren zu vermeiden, um eine akzeptable Messgenauigkeit Zuhause zu gewährleisten. Aber ob eine neue Ernährungsweise mit purinarmer Kost und natürlichen Nahrungsergänzungsmitteln wie z.B. Sauerkirschsaft, den gewünschten Erfolg zeigt, lässt sich damit leichter verfolgen. Es könnte vielen Betroffenen auf lange Sicht helfen, den eigenen Körper besser zu verstehen und Warnsignale zu erkennen, bevor die Gicht erneut ausbricht.

Quellen

(1) Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (2013). Akute Gicht in der hausärztlichen Versorgung AWMF-Registernr. 053/032b Klasse S1.

(2) Prautzsch, H. (2018). Diagnostik und Management der akuten und rezidivierenden Gicht. In: Arzneiverordnung in der Praxis, Ausgabe 3, Juli 2018. URL: https://www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/AVP/Artikel/201803/135h/index.php Abgerufen Oktober 2019.

(3) Paraskos, J., Berke, Z., Cook, J., Miner, J. N., Braddock, M., Platt, A., & Hughes, G. (2016). An analytical comparison between point-of-care uric acid testing meters. Expert Review of Molecular Diagnostics, 16(3), 373–382. https://doi.org/10.1586/14737159.2016.1134326 

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